BVG rüstet Bahnhöfe um : Erfolgreiche Fahndung durch hochwertige Kameras

BVG rüstet stark frequentierte Bahnhöfe mit hochwertigen Kameras aus. Die Polizei hofft, Täter schneller identifizieren zu können. In vielen Fällen ist das schon gelungen.

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Viele Polizeiermittler hoffen, mit besserer Videotechnik zu einem schnelleren Fahndungserfolg kommen zu können. Denn bei der Suche nach Kriminellen sind sie immer wieder auf die Veröffentlichung von Videobildern aus Überwachungskameras auf U-Bahnhöfen angewiesen. Aber bisher lässt die Qualität der Bilder aus den Kameras häufig zu wünschen übrig. Das soll jetzt anders werden. So sind die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) derzeit dabei, etliche U-Bahnhöfe mit hochwertigen Kameras auszustatten. Auf sieben Bahnhöfen sei dies bereits geschehen, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Bis zum Jahresende sollen 14 weitere Stationen mit den Kameras, die eine sehr hohe Auflösung haben, umgerüstet sein.

Das dürfte auch den Fahndern der Polizei entgegenkommen, denn das Auswerten von Videobildern – sofern sie vorhanden sind – gehört zur Routine.

So ist auch die am Montag bekannt gemachte Öffentlichkeitsfahndung nach einem Vergewaltigungsfall von vor einem Jahr in Neukölln erfolgreich: Drei der vier Tatverdächtigen die mit Bildern aus einer Überwachungskamera am U-Bahnhof Hermannstraße in Neukölln gesucht worden waren, haben sich am Dienstagabend bei der Polizei gestellt. Sie sollen am 3. Juni 2011 eine 20-Jährige gegen ein Uhr früh auf dem U-Bahnhof Hermannstraße bedrängt und genötigt haben, Alkohol zu trinken. Gegen 1. 45 Uhr zerrten die Männer sie dann auf einen Spielplatz an der nahe gelegenen Silbersteinstraße und vergewaltigten sie. Das Opfer erstattete noch am selben Tag Anzeige, so dass die Videobilder rechtzeitig gesichert und von der Polizei ausgewertet werden konnten – denn erst seit einigen Wochen ist der Senatsbeschluss, dass künftig die Speicherzeit von 24 auf 48 Stunden ausgeweitet wird, umgesetzt worden. Bislang sind zwar erst zwei Hinweise auf die Tat eingegangen, doch die Ermittler hoffen noch auf weitere entscheidende Tipps.

Dass die Polizei erst nach einem Jahr mit den Videos an die Öffentlichkeit geht, erklärt sie so: Alle erforderlichen Maßnahmen, wie die Sicherung von DNA-Spuren an der Kleidung des Opfers und Ähnliches seien sofort veranlasst worden. Doch die Geschädigte sei so traumatisiert von der Tat gewesen, dass sie erst ein halbes Jahr später in der Lage war, detaillierte Auskünfte zu geben. Diese seien aber entscheidend für weitere Ermittlungsansätze gewesen. Da zudem nichts auf eine Serie deutete, sei auch keine Öffentlichkeitswarnung zwingend notwendig gewesen.

Auch Christopher O., 32, der seit vorigem Mittwoch wegen Vergewaltigung vor Gericht steht, ist von seinem Opfer anhand von Bildern aus einer Überwachungskamera identifiziert worden. Der ehemalige Modedesigner und Botschafter der Tourismus-Kampagne „be berlin“ soll einer 65-Jährigen am U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park aus dem Zug nach draußen gefolgt sein und sie im Park vergewaltigt haben. Vielleicht wird auch ein „Halsketten-Räuber“, der am 11. Januar einer Frau in einem Zug der U7 an der Station Bismarckstraße einen goldenen Kettenanhänger geraubt hat, identifiziert. Seit Dienstag fahndet die Polizei öffentlich nach dem Mann – allerdings noch mit Bildmaterial aus älteren Kameras.

Die hochwertigen Apparate befinden sich auf den Stationen Kottbusser Tor, Alt-Tegel, Friedrichstraße, Gesundbrunnen, Schönleinstraße, Johannisthaler Chaussee und Frankfurter Tor. Die 14 weiteren Bahnhöfe, die mit neuester Technik ausgestattet werden, seien Stationen mit „viel Umsteigeaufkommen“, sagt Sprecherin Reetz – etwa die Bahnhöfe Zoologischer Garten, Alexanderplatz, Mehringdamm oder Berliner Straße. 2011 wurden 107 Verdächtige nach Auswertung des Bildmaterials identifiziert.

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