Deckel-Klau : Metalldiebe stehlen reihenweise Gullydeckel

Die Täter machen ihre Beute bei Schrotthändlern zu Geld. Ein Auto blieb bereits in einem offenen Schacht hängen. Gestern Abend gab es einen erneuten Diebstahl.

Tanja Buntrock
Gullydeckel
Begehrtes Diebesgut: Berliner Gullydeckel. -Foto: ddp

BerlinDer Autofahrer hatte Glück im Unglück: Weil erneut ein Gullydeckel-Dieb am Werk gewesen war, blieb der 24-Jährige am Sonntag in der Quickborner Straße mit dem linken Vorderreifen seines Autos in einem offenen Gullyschacht hängen. Doch der Fahrer erlitt bei dem Unfall im Märkischen Viertel keine Verletzung – lediglich am Auto entstand ein Sachschaden. Insgesamt zehn Gullydeckel hatten Unbekannte hier, ebenso wie in verschiedenen Straßen in Wittenau und Rosenthal, gestohlen. Die Kripo ermittelt nun.

Der Gullydeckel-Diebstahl nimmt immer mehr zu: Die „Straßenregeneinlaufschächte“ – so heißen die Gullys rechts am Fahrbahnrand eigentlich – bestehen aus Buntmetall. Dieses wiederum lässt sich bei Schrotthändlern zu Geld machen. Rund 40 Kilogramm wiegt ein Gullydeckel. Experten schätzen, dass der Preis pro Stück beim Schrotthändler zwischen vier und zehn Euro liegt.

Damit zählen die Deckel ebenso wie Kupferkabel aus Oberleitungen der Deutschen Bahn, Aluminiumteile und Metallschrott zur begehrten Beute der Buntmetalldiebe. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Kupferklau-Taten: Die Diebe suchen Bahnanlagen, Baustellen oder stillgelegte Industrieanlagen auf. Die Polizei riet gestern allen Verkehrteilnehmern – Autofahrern, Zweiradfahrern und Fußgängern – besonders wachsam zu sein, da offene Gullyschächte nicht sofort erkennbar seien. Auch die BVG-Busfahrer sind gewarnt. „Sie wissen um die Gefahr und sind angehalten, jeden fehlenden Gully sofort an die Leitzentrale zu melden. Die informiert dann die Polizei“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Bislang sei noch kein Bus in einem offenen Schacht hängengeblieben.

Erst am Sonnabend war in Spandau ein 23-jähriger Bulgare Zeugen aufgefallen als er Gullydeckel auf seinen Lkw wuchtete. Insgesamt fehlten in der Umgebung sechs Gullys. Seinen Erlös vom Schrotthändler verzockte der Dieb in einer Spielothek, als die Polizei ihn festnahm. Wie die Polizei gestern mitteilte, wird gegen ihn wegen Hehlerei und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt. „Man muss ziemlich kräftig sein, das richtige Werkzeug und einen gesunden Rücken haben, um die Abdeckungen hoch zu wuchten“, sagt der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, Eike Krüger. Die Regenabläufe gehören den Wasserbetrieben. „Wir haben die gestohlenen Gullys sofort durch neue ersetzt“, sagt Krüger.

Was den entstandenen Schaden angeht, so muss sich der Autofahrer an seine Versicherung wenden. „Hier zahlt die Vollkaskoversicherung“, sagt Stephan Schweda vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Allerdings müsse man sich ausrechnen, ob es sich lohnt, die Versicherung zu belangen: Denn anschließend steigt die Versicherungsprämie und der Fahrer wird „hochgestuft“. Bei Verletzungen müsse die private Unfallversicherung einspringen, sagte Schweda. Der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) rät, „auf jeden Fall Strafanzeige bei der Polizei stellen“, wie ein Sprecher sagte. Die Kripo ist zudem für jeden Hinweis dankbar. Derzeit sind Ermittler dabei, verschiedene Schrotthändler zu befragen. Allerdings könne man nicht davon ausgehen, dass sich ein Händler automatisch strafbar macht, wenn er einen Gullydeckel einkauft. „Stammen die Gullys von Privatstraßen, beispielsweise auf Werksgeländen, ist der Ankauf nicht verboten“, sagt ein Polizeisprecher.

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