Demonstration in Berlin-Kreuzberg : Ausschreitungen zwischen Türken und Kurden

Die kurdische Partei HDP hatte zu Protesten gegen die Übergriffe in der Türkei aufgerufen. Nach der Demonstration gab es Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden.

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Foto: dpa/Patrick Pleul

Auf einer Demonstration "Gegen die Übergriffe und kriegsähnlichen Zustände in der Türkei" ist es am Mittwochabend in Kreuzberg zu Übergriffen zwischen Türken und mutmaßlich kurdischen Demonstrationsteilnehmern gekommen. Nach Angaben der Polizei war die Demonstration kurzfristig von der HDP Berlin angemeldet worden. Die HDP ist die legale Kurdenpartei in der Türkei. Dort war es in den letzten Tagen zu Ausschreitungen türkischer Nationalisten gegen kurdische Institutionen gekommen.

Die Veranstalter hatten 300 Teilnehmer angemeldet, tatsächlich kamen laut Polizei 800 Menschen. 140 Polizisten sollten die Demonstration schützen. Der Zug setzte sich gegen 18.45 Uhr vom Hermannplatz in Richtung Mariannenplatz in Bewegung. Auf der Strecke wuchs der Zug erheblich an, schließlich protestierten rund 1000 Menschen.

"Während des Aufzuges kam es zu verbalen Provokationen durch türkische Passanten am Kottbusser Damm", sagte eine Polizeisprecherin. Unter anderem sei aus einem Wohnhaus ein Ei in den Demonstrationszug geworfen worden. Um 19.25 Uhr seien mehrere Demonstrationsteilnehmer auf einen Passanten losgegangen, nachdem dieser provoziert habe. Dabei soll auch Pyrotechnik abgebrannt worden sein. "Nach einer kurzen Auseinandersetzung wurde der Übergriff von Polizeibeamten unterbunden", so die Sprecherin.

Die Demonstration endete etwa gegen 19.40 Uhr. Etwa eine Stunde später rollte ein Autokorso von etwa 30 bis 40 Fahrzeugen am Kottbusser Tor vorbei. Die Insassen der Wagen schwenkten die türkische Fahne. "Ehemalige Demonstrationsteilnehmer und die Fahrer tauschten Unmutsäußerungen aus, dann flogen Flaschen und Gegenstände auf die Autos", hieß es bei der Polizei.

Nun wird wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Festnahmen gab es laut Polizei nicht, auch wurden keine Verletzten gemeldet.

Türkische Gemeinde: Differenzen dürfen nicht zu Krawallen führen

Gökay Sofuoğlu, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland e.V., verurteilte die Ausschreitungen. "Wir dürfen nicht akzeptieren, dass die Differenzen in der Sache zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führen", sagte Sofuoğlu, "wir wollen ein friedliches Zusammenleben in der Türkei und Deutschland." Er forderte die Mitgliedern seines Vereins auf, sich von Krawallen fernzuhalten.

Kurdische Gemeinde: Ursache für Gewalt liegt in der Türkei

Auch Ali Ertan Toprak, Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde in Deutschland e.V., verurteilte "jegliche Gewalt in der Türkei, aber auch in Deutschland." Toprak sagte aber auch, die Ursache der aggressiven Stimmung sei in der Türkei zu suchen; dort herrsche "regelrecht eine Progromstimmung", türkische Nationalisten würden zu Massakern an den Kurden aufrufen. "Wir rufen beide Seiten zu Mäßigung auf", sagte Toprak. Man habe keine Interesse an Gewalt - man wisse sehr genau, dass die gewalttätigen Ausschreitungen von Kurden in den 1990er Jahren der kurdischen Sache geschadet hätten.

Gemeinsamer Aufruf wurde nicht erhört

Beide Gemeinden hatten bereits am 31. August eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht: Man beobachte die Entwicklungen in der Türkei und den Kurdengebieten mit "großer Sorge", hieß es darin.

Diese dürften die kurdisch-türkischen Beziehungen in Deutschland nicht belasten. "Politische Probleme müssen politisch gelöst werden. Gewalt jeglicher Art kann keine akzeptable Lösung bei Konflikten sein, weder in der Türkei noch in Deutschland", hatten Sofuoğlu und Ali Ertan Toprak, der Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, gemeinsam geschrieben. Ihre Botschaft wurde offenbar nur bedingt verstanden.


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