Durchsuchungen : Großaktion der Polizei gegen kriminelle Rocker

Die Polizei hat sieben Berliner Wohnungen von Bandidos durchsucht. Die Aktion galt der Aufklärung eines brutalen Überfalls unter verfeindeten Rockerbanden.

Claus-Dieter Steyer
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Im Visier der Polizei. Bandidos – hier ein Mitglied bei einer Hochzeit in Berlin.Foto: ddpddp

Berlin / Finowfurt - Die Polizei ist bei der Aufklärung des brutalen Überfalls von Motorradrockern auf eine verfeindete Gruppierung im Juni in Finowfurt ein beträchtliches Stück vorangekommen. Sie ermittelte sieben Mitglieder des „Bandidos MC Centro“ aus Berlin als Tatverdächtige. Ihre Wohnungen wurden am frühen Mittwochmorgen durch insgesamt 100 Beamte und Angehörige von Spezialeinsatzkommandos durchsucht. Dabei stellten sie nach Angaben des federführenden Landeskriminalamtes (LKA) Brandenburg unter anderem eine Schreckschusswaffe, Patronen, eine schusssichere Weste, ein Samuraischwert, zwei Macheten, mehrere Messer, kleinere Mengen Rauschgift und Anabolika sowie Handys und Computer sicher.

Die durchsuchten Wohnungen befanden sich unter anderem in der Residenzstraße, in der Seestraße, am Britzer Damm und an der Krummen Straße. Alle Tatverdächtigen sind zwischen 23 bis 29 Jahre alt. Ein Mann befindet sich derzeit wegen des Verdachts auf versuchten Totschlag in einem spanischen Untersuchungsgefängnis. Festgenommen wurde bei der Durchsuchung niemand.

„Wir haben auch mehrere Paar Schuhe aus den Wohnungen mitgenommen“, sagte der Sprecher des LKA, Toralf Reinhardt. „Am Tatort in Finowfurt haben Polizeibeamte mehrere Fußspuren gesichert, die wir jetzt vergleichen wollen.“ Für eine Anklage sei wichtig, die Tatbeteiligung jeder einzelnen Person zu ermitteln.

Wie berichtet, war es Mitte Juni in der Nähe der Ausfahrt Finowfurt der Autobahn A 11 Berlin–Prenzlau zu einem brutalen Überfall gekommen. Damals hatten nach bisherigen Ermittlungen des LKA und der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) mehrere Personen aus dem Umfeld von „Bandidos MC Centro“ auf der Bundesstraße B 167 mit ihren Fahrzeugen aus einem Konvoi der verfeindeten Gruppe drei Wagen ausgebremst. In ihnen saßen Mitglieder der „Hells Angels MC Nomads“ und ihres Unterstützerclubs „Brigade 81“. Die Männer wurden mit Macheten, Messern und Baseballschlägern angegriffen und schwer bis lebensgefährlich verletzt. „Ein Mann erlitt durch Schläge mit einem Beil so schwere Verletzungen, dass man eine Amputation eines Beins nicht ausschließen konnte“, berichtete damals eine Sprecherin des LKA. „Erst durch eine Notoperation konnte diese verhindert werden.“

Gegenüber der Polizei hatten die vier Verletzten noch von einem „Verkehrsunfall mit Fahrerflucht“ gesprochen. Doch alle Spuren deuteten in eine andere Richtung. Zeugen berichteten der Polizei von einem Pkw mit Berliner Kennzeichen, der fluchtartig den Tatort verlassen habe.

Zwischen den verschiedenen Rockergruppen gibt es immer wieder brutale und tödliche Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft im Drogen-, Waffen- und Prostitutionsgeschäft. Nach dem Mord an dem Rocker Michal B. auf offener Straße in Wartenberg im Nordosten Berlins sucht die Polizei ein Mitglied der „Hells Angels“ als Tatverdächtigen. Er soll aus Brandenburg stammen und zu der Untergruppe „Nomads“ gehören. Offenbar wurde Michael B. sein Wechsel von den „Hells Angels“ zu den „Bandidos“ zum Verhängnis. Claus-Dieter Steyer

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