Feuerwehreinsatz : 20 Kilo Beton stürzen aus Decke im Bahnhof Friedrichstraße

13.12.2012 18:00 UhrVon , , Philippa Schindler

UpdateAm Bahnhof Friedrichstraße ist ein mindestens 20 Kilogramm schwerer Betonbrocken aus der Decke gestürzt. Nur durch Zufall gibt es keine Verletzten. Die Feuerwehr hat inzwischen die Decke geöffnet.

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Zurückbleiben, bitte. - Foto: [Christian Mang/imagedeluxe.net]

Rund 190 000 Menschen steigen pro Tag am Bahnhof Friedrichstraße ein, aus oder um. Aber in der entscheidenden Sekunde war glücklicherweise keiner von ihnen am falschen Ort: Um 10.45 Uhr am Donnerstag fiel ein mehr als 20 Kilogramm schweres Stück Beton krachend in die Bahnhofshalle. Eine daneben stehende Frau erlitt nach Auskunft der Bundespolizei einen Schock, musste aber nicht ärztlich behandelt werden.

Nachdem das Betonteil durch die Rigipsdecke gebrochen war, wurden ein Teil der Halle sowie das darüber liegende Gleis vorsorglich gesperrt. Bahnsachverständige und Statiker untersuchten die Decke, die die Bahnhofshalle von den darüber verlaufenden Gleisen der Stadtbahntrasse trennt. Für genauere Untersuchungen wurde ein Gerüst aufgestellt, und ein Teil der Halle bleibt vorerst gesperrt – ebenso wie das über der Unfallstelle liegende Gleis 4. Auf ihm fahren sonst Fern- und Regionalzüge in Richtung Hauptbahnhof. Nennenswerte Verspätungen verursachte das ungeplante Nadelöhr am Donnerstag nicht.

Nach Auskunft eines Bahnsprechers stammt das Betonstück vermutlich aus dem Bereich, in dem die Bahnsteige auf den sogenannten Gleiströgen aufliegen. Die auf Stützen errichteten, U-förmigen Tröge tragen die insgesamt sechs Gleise samt Unterbau. Die aus Betonteilen bestehenden Bahnsteige liegen auf den Rändern dieser Tröge – allerdings nicht großflächig, sondern punktuell, ähnlich den Widerlagern von Brücken. Der Brocken muss demnach mehrere Meter durch einen Hohlraum und schließlich durch die Rigipsdecke in die Bahnhofshalle gefallen sein. Die Standsicherheit der Stadtbahntrasse ist nach Auskunft der Bahn definitiv nicht in Gefahr.

Doch vieles andere ist ungewiss. So war im Gespräch zwischen einem Feuerwehrmann und einem Polizisten am Ort des Geschehens die Rede davon, dass rund um das Loch weitere kleinere Betonbrocken auf der Deckenverkleidung liegen. Sie waren offenbar zu leicht, um die Rigipsplatten zu durchschlagen. Die Bauaufsicht des Bezirksamtes Mitte wurde zwar über den Vorfall unterrichtet, ist aber nur für Einrichtungen – wie beispielsweise die Geschäfte – im Bahnhofsgebäude verantwortlich. Für alles, was direkt mit dem Bahnbetrieb zu tun hat, ist das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) als Aufsichtsbehörde zuständig. Das EBA schickte nach Auskunft einer Sprecherin einen Mitarbeiter zum Bahnhof Friedrichstraße. Formal sei zunächst die Bahn für die Sicherheit ihrer Infrastruktur verantwortlich, also von Zügen, Trassen und Bahnhöfen. Allgemein sei das EBA als Aufsichtsbehörde zum Eingreifen befugt, wenn es Zweifel an der Sicherheit habe. Im konkreten Fall gebe es allerdings noch keine näheren Erkenntnisse.

Der Bahnhof Friedrichstraße war 1995 bis 1999 für rund 115 Millionen Euro umfassend saniert worden. Er gehört zu den wichtigsten Verkehrsknoten der Stadt. Neben den Reisenden besuchen auch Tausende Kunden die Läden und Imbisse in der Station – darunter viele Angestellte aus den umliegenden Büros und Studenten der Humboldt-Universität. Nach Tagesspiegel-Informationen sind die Gleiströge bei der Sanierung nicht ausgetauscht worden. Auch während der Bauzeit war der Bahnhof nicht geschlossen worden. Demnach dürften die Tröge aus dem Stahlbeton sein, mit dem die Trasse in den 1920er-Jahren aufgerüstet worden ist. Solche Betonteile können deutlich über 100 Jahre halten, sofern kein Wasser eindringt und die stählerne Armierung rosten lässt. Wenn das passiert, kann der Beton brüchig werden.

Gerade noch mit dem Schrecken davon gekommen: Getroffen wurde von diesen Deckenteilen glücklicherweise niemand.Bild vergrößern
Gerade noch mit dem Schrecken davon gekommen: Getroffen wurde von diesen Deckenteilen glücklicherweise niemand. - Foto: Philippa Schindler

Die parallel fahrende S-Bahn war zwar am Donnerstag von der Havarie an der Friedrichstraße nicht betroffen, aber ihre Probleme der vergangenen Tage verschärften sich gestern weiter. Die Zahl der verfügbaren Doppelwagen sank wegen technischer Probleme mit älteren Wagen nach Auskunft eines Bahnsprechers auf 464. Für den Normalbetrieb müssten es rund 100 mehr sein. In der Folge wurde die S 45 zwischen Südkreuz und dem Flughafen Schönefeld komplett eingestellt. Die S 75 fuhr nur alle 20 Minuten durch die Innenstadt. Auf der S 5 brachte eine Weichenstörung den Verkehr durcheinander, und auch auf anderen Linien wurden Fahrten gestrichen.

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