KaDeWe-Einbruch : Die Juwelendiebe kannten alle Tricks

Es waren Profis am Werk: Unbekannte haben in der Nacht zu Sonntag im KaDeWe Juwelen und Uhren im Wert von etwa einer Million Euro gestohlen.

Cay Dobberke,Jörn Hasselmann
KaDeWe Foto: dpa
Dreiste Diebe. Im KaDeWe in Schöneberg wurde eingebrochen. -Foto: dpa

Es waren Profis am Werk: Unbekannte haben in der Nacht zu Sonntag im KaDeWe Juwelen und Uhren im Wert von etwa einer Million Euro gestohlen. Die Alarmanlage des größten deutschen Kaufhauses schlug nicht an – weil sie von den Tätern offensichtlich ausgetrickst worden ist. Auf den Bildern der Überwachungskameras sollen nur mehrere vermummte Männer zu sehen sein. Die Aufzeichnungen erlauben keinerlei Rückschlüsse auf deren Identität. Die Bande soll über ein Vordach in Höhe des ersten Stocks von außen in das Luxuskaufhaus eingedrungen sein. Von dort gelangten sie ins Erdgeschoss. Dort räumten sie beim Juwelier Christ, der seit vielen Jahren im KaDeWe Flächen gemietet hat, die Vitrinen leer. Andere, zum Teil deutlich teurere Markenshops wie Bulgari, Chopard oder Omega ließen die Einbrecher links liegen – sie sind nachts noch extra durch Metallgitter und Panzerglas geschützt.

Wie es bei der Polizei hieß, verfügt das Kaufhaus über ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem, das auch aktiviert gewesen ist in dieser Nacht. Dennoch sei es den Männern gelungen, sich an allen Bewegungsmeldern vorbeizubewegen.  Bei Christ hebelten sie mehrere Schränke auf und schlugen Vitrinen ein. Wie sie kamen, so verschwanden die Männer auch: über das Kaufhaus-Vordach. Die Polizei
geht derzeit ersten Hinweisen auf die Täter nach, sucht aber weiterhin dringend Zeugen, die in der Nacht zu Sonntag rund um das KaDeWe am Wittenbergplatz und in der Tauentzienstraße Verdächtiges gesehen haben.

Der Einbruch wurde erst am Montagmorgen gegen 6 Uhr von Angestellten entdeckt. Das Kaufhaus und der Juwelier Christ hüllten sich gestern in Schweigen. Die zahlreichen offenen Fragen wurden nicht beantwortet. So blieb unklar, ob nachts kein Wachpersonal im Haus unterwegs ist oder ob es nichts bemerkte. Keine Hinweise gebe es bislang darauf, dass die Täter über Insiderkenntnisse aus dem Kaufhaus verfügten. Sie müssen die Sicherheitseinrichtungen zuvor jedoch gründlich studiert haben. Wären sie in den Bereich der Bewegungsmelder gekommen, wäre automatisch Alarm ausgelöst worden. Zudem soll das Haus über eine Vernebelungsanlage verfügen, die bei Alarm eine ungiftige Rauchwolke in den Raum bläst, so dass keine Orientierung mehr möglich ist. Auch zu diesen Informationen äußerte sich das KaDeWe nicht.

Das Kaufhaus des Westens hat 2007 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Mit 60 000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist das KaDeWe heute das zweitgrößte Warenhaus Europas nach Harrods in London. 2000 Angestellte bedienen täglich bis zu 180 000 Kunden.

Gestern taten Christ und das KaDeWe alles, um die Tat vor den Kunden zu verbergen: Rund um das Geschäft im „Lichthof Ansbacher Straße“ im Parterre standen dunkelblaue Stellwände, an denen Zettel befestigt wurden. „Wegen Inventur geschlossen“, hieß es, ab Mittwoch sei man „wieder für Sie da“. Die Rolltreppe, die den Schmuck- und Uhrenladen mit der ersten Etage verbindet, war abgeschaltet. Nicht alle Verkäufer wurden von ihren Chefs gleich über den Einbruch informiert. Nur langsam sprach sich die Neuigkeit herum, noch am Nachmittag wussten viele Mitarbeiter nichts von dem dreisten Diebstahl.

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