Kriminalität in Berlin-Kreuzberg : Wachschutz soll für Sicherheit am Kottbusser Tor sorgen

Die Hausverwaltungen am Kottbusser Tor wollen einen Wachschutz bezahlen, damit sich die Mieter sicherer fühlen. 20.000 Euro monatlich soll das kosten.

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Der U-Bahnhof am Kottbusser Tor.
Der U-Bahnhof am Kottbusser Tor.Foto: Paul Zinken/dpa

Weil die Polizei zu selten am Kottbusser Tor präsent ist, soll es nun ein privater Wachschutz richten. Angesichts der rapide angestiegenen Kriminalität wollen die für das „Neue Kreuzberger Zentrum“ zuständigen Hausverwaltungen auf eigene Kosten ein Wachschutzunternehmen beauftragen. Das Konzept der Firma, das dem Tagesspiegel vorliegt, sieht vier Sicherheitskräfte zwischen 14 Uhr und 1 Uhr nachts vor.

In den Randzeiten am frühen Nachmittag und gegen Mitternacht sollen zwei Wachleute patrouillieren. Die drei Hausverwaltungen wollen mehr als 20 000 Euro monatlich ausgeben, um die Belastungen für Wohnungs- und Gewerbemieter zu senken. Die letzten Verhandlungen laufen, sagte Wolfgang Kremer, Geschäftsführer der Kremer Hausverwaltungen. "Der Schutz unserer Mieter ist uns das Wert", sagte Kremer. Möglichst noch im April soll es losgehen, sagte Kremer dem Tagesspiegel. Zunächst ist das Projekt bis Herbst terminiert. Der Wachschutz sei als Ergänzung zur Polizei gedacht.

Schon immer wurde am Kottbusser Tor mit harten Drogen gedealt, konsumiert wurden diese sofort in den verwinkelten Hochhaus-Fluren und Parkhäusern. Doch in den vergangenen Monaten stieg die Gewalt massiv an, wie der Tagesspiegel in einer Reportage berichtet hatte. Wie am RAW-Gelände werden Betrunkene und Touristen „angetanzt“ und bestohlen oder beraubt. „Organisierte Gruppen verschiedener ethnischer Herkunft setzen ihre ’Ansprüche’ mit zunehmender Gewaltbereitschaft durch“, heißt es in einer Analyse des beauftragten Wachschutzunternehmens. Die Polizei sei nur „unregelmäßig“ vor Ort, „eine spürbare Nachhaltigkeit dieser Kontrollen kann nicht festgestellt werden“, wie es in dem Bericht heißt.

Kotti auch Thema im Innenausschuss

Das Kottbusser Tor war am Montag auch Thema im Innenausschuss. Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, dass die Polizei ihre uniformierte und zivile Präsenz dort deutlich gesteigert habe. Der grüne Abgeordnete Benedikt Lux forderte mehr Polizeipräsenz. Nach Polizeiangaben gab es in den ersten elf Monaten 2015 genau 62 größere Einsätze am Kottbusser Tor, dabei waren die Beamten 3400 Stunden im Einsatz. Zu wenig, wie Lux mit Blick auf die 30.000 Einsatzstunden im Görlitzer Park sagte.

Erst vor einer Woche hatte die für den Platz zuständige Leiterin des Polizeiabschnitts 53, Tanja Knapp, bei einer Veranstaltung mit Gewerbetreibenden mitgeteilt, dass „die Straßenkriminalität enorm zugenommen“ habe. Vor allem die alteingesessenen türkischen Händler fürchten angesichts der Gewaltwelle um den Ruf der Gegend und um ihre Umsätze. Besonders Gewerbemieter aus der Gastronomie geraten durch "die angespannte Lage zunehmend in existenzielle Bedrängnisse", heißt es in dem Bericht an die Hausverwaltungen.

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