Kriminalität : Neue Säure-Attacken in U-Bahnen

Unbekannte haben am Wochenende mehrere Glasscheiben auf U-Bahnhöfen in Friedrichshain-Kreuzberg mit der hochgefährlichen Flusssäure verätzt. Der Kontakt mit der Chemikalie kann tödlich enden.

Saskia Weneit

BerlinErneut haben Unbekannte mit Flusssäure in U-Bahnhöfen zugeschlagen. Am Wochenende wurden mehrere Graffitis in Glasscheiben geätzt, beide Male in Friedrichshain-Kreuzberg. Flusssäure ist ein hochgiftiges und ätzendes Kontaktgift, das sofort von der Haut aufgenommen wird. Dadurch ist eine Verätzung tieferer Gewebeschichten und der Knochen möglich, ohne dass die Haut äußerlich sichtbar verletzt ist. Der Kontakt mit dem Stoff kann zu unheilbaren Verletzungen bis hin zum Tod führen.

Auf dem Bahnhof Warschauer Straße stellten BVG-Mitarbeiter die gefährlichen Schmierereien an einem Zug, einem Kiosk, einem Aufzug, einer Bushaltestelle und einer Unterführung fest. Die betroffenen Teilbereiche wurden bis zur Entfernung der hochgiftigen Chemikalie rund zwei Stunden gesperrt.

Zur gleichen Zeit wurden auch auf dem Görlitzer Bahnhof sechs beschmierte Glasscheiben auf Treppenzugängen und einem Bahnsteig entdeckt. Um die Fahrgäste vor den Folgen der ätzenden Chemikalie zu schützen, wurde der Bahnhof mehrere Stunden gesperrt. Die Züge fuhren durch.

Erst am vergangenen Donnerstag hatten Unbekannte am U-Bahnhof Hallesches Tor mehrere Glasscheiben einer Rolltreppe mit Flusssäure verätzt. Verletzt wurde auch in diesem Fall niemand.

Noch keine Erkenntnisse über Täter und Motiv

Über die Täter und das Motiv kann die Polizei noch nichts sagen, die Ermittlungen laufen. „Es ist sehr schwierig, die Täter und Motive auszumachen“, sagte Polizeisprecher Andreas Polley gegenüber tagesspiegel.de. Die Polizei gibt zu den Ermittlungen keine weiteren Auskünfte, über Zusammenhänge zwischen den Fällen am Wochenende und vergangener Woche wollen noch keine Vermutungen geäußert werden.

Die hochgefährliche Flusssäure ist nach Polizeiangaben schwer zu bekommen. Zwar vertreibt der chemische Fachhandel die Flüssigkeit, doch eine Bestellung ist nicht so leicht möglich. Glaser verwenden die Chemikalie, um Glas zu mattieren oder zu ätzen. Besonders gefährlich an der Flüsssäure ist, dass eine warnende Schmerzwirkung oft erst mit einer Verzögerung von mehreren Stunden auftritt. Doch gerade eine schnelle Hilfe kann lebensrettend sein.

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