Marienfelde : Unbekannte stehlen rund 100 Tonnen Edelstahl

Besonders dreist sind Diebe in einer Firma in Mareinfelde vorgegangen. Am Wochenende stahlen sie bis zu 100 Tonnen Edelstahl. Die Zahl der Metalldiebstähle steigt.

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Berlin/Potsdam – Etwa 100 Tonnen Edelstahlrohre stahlen Unbekannte am Wochenende von einem Firmengelände in der Buckower Chaussee in Berlin-Marienfelde. Unbemerkt konnten sie mehrmals einen Lastwagen mit den Rohren beladen. Der Diebstahl wurde erst am Sonntagabend bemerkt. Experten schätzen den Wert der Beute auf 125 000 Euro.

Seit Mitte Juli steigen die Preise für Metall wieder, Kupfer beispielsweise kletterte von 5 Euro pro Kilo Mitte Juli auf 5,50 Euro am Monatsende. Damit werden die Rohstoffe für Diebe noch attraktiver. Das bestätigen Zahlen der Bundespolizei und des Landeskriminalamts (LKA) Brandenburg. „Seit 2008 hatten wir einen Rückgang, jetzt wieder einen Anstieg“, erklärte LKA-Sprecher Toralf Reinhardt. Im ersten Halbjahr verzeichneten die Beamten 526 Diebstähle von Buntmetall mit einer Schadenssume von 550 000 Euro. Zum Vergleich: 718 Fälle waren es im gesamten Jahr 2009. Die Berliner Polizei führt dagegen keine Statistik. Die steigenden Zahlen verwundern den Brandenburger LKA-Sprecher Reinhardt nicht: „Auch 2006 und 2007 haben wir mit dem Anstieg der Metallpreise einen Anstieg der Diebstähle festgestellt.“ Auch an den Anlagen der Deutschen Bahn in Berlin und Brandenburg und der Berliner S-Bahn stiegen die Diebstähle in diesem Jahr, so Direktionssprecher Meik Gauer von der Bundespolizei. Als Grund führt er die „gestiegene Nachfrage auf dem Rohstoffmarkt nach Metallen und der damit verbundenen Preissteigerung“ an. Erst vergangene Woche klaute ein Mann an der Bahnstrecke zwischen Lichtenberg und Ostkreuz 117 Meter Kupferkabel.

In den Jahren 2007 und 2008 waren es vor allem Gullydeckel, auf die es die Diebe abgesehen hatten. Bis zu 30 der rund 40 Kilogramm schweren Deckel aus Gusseisen erbeuteten sie pro Nacht. Beim Schrotthändler gab es dafür zwischen vier und zehn Euro pro Stück, heute sind es sechs Euro. Schon lange geht der Trend bei den Metalldiebstählen zu den kupferhaltigen Oberleitungen und Erdkabeln der Bahn. Vor allem das Schienennetz in Brandenburg ist von den Diebstählen betroffen. Mitte Juli überraschte die Bundespolizei eine professionelle Bande, als sie an der Bahnstrecke Angermünde-Pasewalk Kabel stehlen wollten. Die vier Polen sollen in den vergangenen Monaten mehrere Male Buntmetallkabel der Bahn gestohlen und dabei einen Schaden von über 500 000 Euro verursacht haben. Im Juni wurden auf der Buckower Kleinbahn-Strecke mehr als ein Kilometer Spannleitungs- und Fahrleitungsdraht gestohlen. Im Mai entdeckte ein Lokführer fehlende Oberleitungen auf der Strecke zwischen Fürstenwalde und Fangschleuse (Oder-Spree), die Bahn schätzte den Schaden auf „mehrere tausend Euro“. Erst im Mai wurde ein Ehepaar zu mehrmonatigen Bewährungsstrafen verurteilt, weil es Metall auf einem Grundstück in Kreuzberg stahl. Anfang April klauten vier Männer 1,5 Tonnen Kupferspäne auf einem Firmengelände in Spandau.

Bei ihren Taten legen die Diebe nicht nur den Zugverkehr still, sondern begeben sich auch selbst in Lebensgefahr: Der versuchte Diebstahl von Starkstromleitungen bei Oderberg kostete einen Polen vor einigen Jahren das Leben.

Zwei Drittel der Täter sind laut LKA Deutsche, die anderen kommen vorwiegend aus Polen und dem ehemaligen Jugoslawien. Von organisierter Kriminalität will Reinhardt nicht sprechen, bestätigt aber in manchen Fällen ein bandenhaftes Vorgehen. Dass gezielt in Deutschland gestohlen und im Ausland verkauft wird, glaubt die Polizei nicht. „Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der Beute in Deutschland verkauft werden soll“, sagte Reinhardt. Die beliebtesten Ziele seien Einrichtungen der Bahn, stillgelegte Bahnstrecken und Tagebauanlagen wie in der Lausitz, begehrtestes Metall sei Kupfer, sagte LKA-Sprecher Reinhardt.

Das Problem der Beamten: Die Herkunft von Metall ist vor allem in kleinem Umfang schwer nachzuweisen. Große Mengen wie die 100 Tonnen Edelstahl würden auf mehrere Händler aufgeteilt oder ins Ausland geschafft, vermutet die Polizei. Eine Verwertung durch die Täter selbst wollte sie nicht ausschließen. Schrotthändler sind angewiesen, beim Ankauf von Metall die Personalien der Verkäufer zu prüfen. „Wenn uns etwas komisch vorkommt, verständigen wir die Polizei“, bestätigt die Mitarbeiterin eines Berliner Metallhändlers. Dass die Diebstähle bald aufhören könnten, glaubt sie nicht: „Die Preise schwanken zwar, sind aber im Langzeitschnitt gestiegen. Für Diebe lohnt es sich auf jeden Fall, Metall zu stehlen.“

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