Missbrauch : Sextäter fielen Nachbarn kaum auf

Mehr als 50 Mal sollen zwei Männer aus Neukölln und Kreuzberg minderjährige Jungen sexuell missbraucht haben. Nachbarn sind schockiert, doch in ihrem Wohnumfeld blieben die Taten offenbar fast unbemerkt.

BerlinDer Tatverdächtige Markus E. (40) lebte bis zu seiner Festnahme in einer Neuköllner Hinterhaus-Wohnung und hatte sein Klingelschild mit dem Zusatz "Werbeagentur" ausgestattet. Offenbar lockte er Kinder und Jugendliche mit dem Vorwand an, als Werbefotograf zu arbeiten. Gemeinsam mit mindestens einem Komplizen soll er die Jungen sexuell missbraucht und gegen Bezahlung an andere Männer weitervermittelt haben. Die Opfer selbst erhielten dafür eine Art Taschengeld. Eine aufmerksame Nachbarin erstattete vor etwa einem Jahr Anzeige: Sie hatte ältere Männer mit Jungs in einer Weise vor dem Haus sitzen sehen, die bei ihr den Verdacht auf Prostitution aufkommen ließ.

Der zweite Tatverdächtige, Frank R. (42), wohnte im elften Stock eines Hochhauses in Kreuzberg. Auch in seiner Ein-Zimmer-Wohnung sollen sich Missbrauchsfälle ereignet haben. Im letzten Sommer rief ein Nachbar die Polizei an, weil er sich über die ständigen Männer- und Jungenbesuche bei Frank R. wunderte.

Die Ermittler haben offenbar warten müssen, um durch Telefonüberwachung zu einer gesicherten Anklage zu kommen. Erst am Mittwoch wurden die beiden Männer verhaftet. Die Aufklärung der Taten ist auch deshalb schwierig, weil bei den Opfern die Schamgrenze hoch liegt. Da Frank R. HIV-infiziert ist, müssen sich zudem sämtliche Opfer Bluttests unterziehen - die Ergebnisse stehen noch aus. (Tso/Tsp)

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