Mordprozess : "Dafür gibt es keine Sühne"

Serienmörder Hansjoachim W. wird vermutlich nie wieder freikommen. Im Juli letzten Jahres hatte er zwei Frauen erdrosselt und ausgeraubt. Dies waren nicht seine ersten Taten. Nun erging die Höchststraße.

Kerstin Gehrke

Nach mehr als 20 Jahren Haft setzte Frauenmörder Hansjoachim W. sein verbrecherisches Leben ohne Zögern fort. Wieder ging er „aus Gewinnstreben über Leichen“, hieß es gestern im Urteil. Gegen den 45-jährigen W., der im Juli letzten Jahres zwei 59 und 83 Jahre alte Frauen erdrosselt und ausgeraubt hatte, erging die Höchststrafe: lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Haft nach der Haft, weil der Mörder für die Allgemeinheit gefährlich sei.

Hansjoachim W. hatte bereits 1986 innerhalb eines Monats in Schöneberg und Wilmersdorf drei Frauen getötet, um an Geld zu kommen. Zwei 81- und 84-jährige Rentnerinnen überfiel er in ihren Wohnungen. Die Beute betrug 50 und 75 Mark. Zudem erdrosselte er seine 72-jährige Großtante, die ihn beim Diebstahl von 500 Mark erwischt hatte. Er war gerade sechs Monate frei, als er in seinem alten Kiez wieder zuschlug.

Am 12. Juli 2008 lauerte er gemeinsam mit seinem 32-jährigen Freund Maik V., den er im Gefängnis kennengelernt hatte, Barbara W. vor ihrer Wohnung in der Motzstraße auf. Die 59-jährige Frau wurde zu Boden gerissen, als sie die Tür aufschließen wollte. Für den Mord sei allein W. verantwortlich. Gegen V. ergingen wegen Raubes mit Todesfolge sieben Jahre und sechs Monate Haft.

Maik V. wurde zwölf Tage später gefasst. Spuren hatten zu dem wegen Betruges und anderer Delikte vorbestraften Alkoholiker geführt. Bald verriet er seinen Geliebten. Der aber beging am 25. Juli die nächste Tat. Er hielt auf der Straße Ausschau nach einem Opfer. Er sah Lieselotte K., 83 Jahre alt und kleinwüchsig. Er folgte ihr und griff sie an der Wohnungstür an, stieß sie in den Flur, erwürgte sie mit einer Strickjacke.

„Solange er gesunde, kräftige Hände hat, besteht die Gefahr, dass er derartige Taten zu Lasten von Frauen begeht“, sagte der Ankläger. Hansjoachim W., der die Vorwürfe vor Gericht gestanden hatte, zeigte keine Regung. Er hatte keine Empfindungen und kein Mitleid mit seinen Opfern gespürt. Das gab er ganz offen zu – und machte der Justiz Vorwürfe: „In der langen Haftzeit ist nicht der Versuch gemacht worden, mir zu helfen.“ Als er Anfang 2008 wieder freikam, habe sich „das Geschehen irgendwie verselbstständigt“. Seine Taten seien aber durch nichts zu entschuldigen. „Es gibt dafür keine Sühne.“

Hansjoachim W. wuchs in Schöneberg auf. Weil sein Vater trank und ihn schlug, riss er mit elf Jahren von zu Hause aus. Er stahl und raubte älteren Damen die Handtaschen, finanzierte so später seinen Drogenkonsum. Als er 1987 wegen dreifachen Mordes verurteilt wurde, gingen die Richter von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Das war nun anders.

Der Mörder gab sich kurz vor dem Richterspruch für einen Moment verzweifelt. „Ich habe gehofft, dass einer herausfindet, warum ich so bin“, klagte er. „Das dürfte vom Angeklagten selbst zu beantworten sein“, hieß es im Urteil. Die Entwicklung nach der ersten Strafe sei ernüchternd, die Prognose für W. schlecht. „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass sich daran auf absehbare Zeit etwas ändern wird.“ Kerstin Gehrke

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