Nach Todessturz an Silvester : Vermieter sind nicht verpflichtet, Dächer zu sichern

02.01.2013 15:44 UhrVon Jörn Hasselmann

Nach einem tragischen Unfall in der Silvesternacht warnen Experten davor, die Dächer zu betreten. Besonders Altbauten bergen Gefahren, die oftmals unterschätzt würden.

Nach dem Todessturz von einem Mietshaus in der Silvesternacht warnen Experten davor, Dächer zu betreten. „Mieter haben auf dem Dach nichts verloren“, sagt der Jurist vom Hauseigentümer-Verband Haus & Grund, Gerold Happ. Dies bestätigt sein Kollege vom Berliner Mieterverein, Stefan Schetschorke: „Da hat kein Mieter etwas zu suchen, denn es ist keine vermietete Fläche.“ Ausnahmen seien gesicherte Dachterrassen.
Wie berichtet, war eine junge Frau in Kreuzberg in einen Lichtschacht gestürzt. Die 29-Jährige war vermutlich sofort tot. Den Sturz selbst hatten die anderen Partygäste auf dem Dach an der Graefestraße nicht bemerkt. Erst als der 27-jährige Ehemann seine Frau vermisste, wurde nach ihr gesucht. Mit einer Taschenlampe entdeckten die Freunde die Frau in dem kleinen Lichtschacht. Da dieser in dem Eckhaus zur Urbanstraße unten keinen Zugang hat, musste die herbeigerufene Feuerwehr zunächst eine Tür aufbrechen. Nach Polizeiangaben soll die Frau zuletzt an der etwa ein Meter hohen gemauerten Brüstung des Schachts gestanden haben. Wie es zu dem Sturz kam, ob sich die Frau beispielsweise auf die Brüstung setzte und rückwärts in die Tiefe stürzte, ist unklar. Ein Fremdverschulden schließen die Ermittler aber aus.
Den Eigentümer des Hauses trifft nach Einschätzung des Verbandes Haus & Grund keine Schuld. „Erwachsene sind selbst verantwortlich“, sagt Happ. Es sei zwar sinnvoll, den Zugang zum Dach zu verschließen, in einen „Hochsicherheitstrakt“ müsse der Eigentümer sein Dach aber nicht verwandeln. Denn um auf dem Dach zu feiern, müsse man durch Leitern oder Luken klettern – dorthin gerate man also nicht zufällig, sondern durch eine aktive Handlung. Anders sei die Rechtslage, wenn man zum Beispiel durch ein Loch in der Treppe in den Abgrund stürze – hier sei der Eigentümer verantwortlich. Auch der Mieterverein geht davon aus, dass ein einfaches Schloss am Zugang zum Dach reiche: „Der Vermieter ist nicht zu einer besonderen Sicherung verpflichtet“, sagt Schetschorke.
Mieter aber schätzen die Gefahren auf Dächern oftmals nicht richtig ein. Manche Häuser sind zum Beispiel mit extrem rutschigen Plastikfolien bedeckt. Bei Altbauten kann es auch passieren, dass gemauerte Schornsteine und Brüstungen nicht mehr stabil sind. So ist vor zehn Jahren eine Frau schwer verletzt worden, die eine Hängematte zwischen zwei Schornsteinen gespannt hatte. Einer fiel um und begrub die Frau unter sich. Ebenfalls im Jahr 2003 stürzte ein Mann in Friedrichshain in den Tod. Er war in einer warmen Sommernacht im Schlaf vom Dach gerollt.

zur Startseite

Umfrage

Soll die Hauptstraße in Schöneberg in David-Bowie-Straße umbenannt werden?

Altersvorsorge

Altersvorsorge

Welche Vorsorge-Optionen gibt es? Und welche Maßnahmen sind wirklich sinnvoll? Präsentiert von unserem Partner CosmosDirekt klären wir offene Fragen.

Diese und weitere Informationen zum Thema Altersvorsorge finden Sie auf unserer Themenseite.

Folgen Sie unserer Berlinredaktion auf Twitter:

Tanja Buntrock:
Karin Christmann:


Robert Ide:


Sigrid Kneist:


Anke Myrrhe:


Hier twittert die Stadtleben-Redaktion des Tagesspiegels. Tipps und Trends, Themen und Termine - alles, was die Stadt bewegt:



Machen Sie mit und verlinken Sie Ihre morgendlichen Fotos mit dem Hashtag #gmberlin. Oder schicken Sie Ihre Fotos wie gewohnt an leserbilder@tagesspiegel.de! Wir freuen uns auf Ihre Bilder!


Die ersten Ergebnisse sehen Sie in unserer Fotostrecke.


Tagesspiegel lokal

Zehlendorf-Kiez

Zehlendorf – fein, langweilig, reich? Denkste! Wir hinterfragen gemeinsam mit Jugendlichen, Erwachsenen, Prominenten Klischees und schreiben spannende Geschichten aus dem Stadtteil: über Menschen, lokale Politik und ein Lebensgefühl mit Wasser und Wald. Schreiben Sie mit an unserer Seite über Zehlendorf!

Zum Ortsteil Zehlendorf


Ku'damm

Alle reden vom neuen Aufschwung am berühmten Berliner Kurfürstendamm. Wir zeigen die Fortschritte, aber auch Schattenseiten der Entwicklung in der westlichen Innenstadt und stellen die Menschen dort vor. Machen Sie mit bei unserer Seite zum Ku'damm-Kiez!

Zum Ortsteil Ku'damm


Spandau

Kaum ein Bezirk ist so kontrastreich wie das "gallische Dorf" am Westrand Berlins, vom riesigen Stadtforst bis zu bedeutenden Industriestandorten von Konzernen wie BMW und Siemens, von Großsiedlungen wie dem Falkenhagener Feld über das dörfliche Gatow bis hin zu den Kladower Villen. Unser Portal ist eine Mischung aus aktuellen Nachrichten, Kiez-Reportagen und Debatten-Plattform. Mischen Sie mit!

Zum Ortsteil Spandau


Pankow

Pankow boomt. Das Gebiet nördlich vom Prenzlauer Berg wächst rasant. Zu DDR-Zeiten lebten hier vor allem Diplomaten, Funktionäre und Künstler; nun kommen Familien aus dem Prenzlauer Berg hinzu. Eine interessante Mischung. Wir berichten, wie sich das alte Pankow verändert und wer es verändert. Und wir erzählen Geschichten aus der Zeit vor 1989. Die sind spannender als jeder Krimi.

Zum Ortsteil Pankow


Wedding

Der Wedding lebt. Nur wie? Finden wir es heraus, gemeinsam. Wir: die Leser und die Journalisten des Tagesspiegels. Wir schreiben: Eine Seite über den Wedding. Den alten. Den neuen. Den guten. Den schlechten. Und den dazwischen. Früher Bezirk, bis heute Ereignis. Machen Sie mit bei unserer Seite über den Wedding-Kiez!

Zum Ortsteil Wedding


Kreuzberg

Berlin ist Kreuzberg. Und umgekehrt. Kaum ein anderer Berliner Bezirk wird so stark mit der Hauptstadt in Verbindung gebracht wie Kreuzberg. Was die Kreuzberger bewegt, viele Kiezgeschichten und Meinungen lesen Sie im hyperlokalen Projekt des Tagesspiegels.

Zum Ortsteil Kreuzberg


Service

Nachrichten aus den Bezirken

Weitere Themen

Veranstaltungen im Tagesspiegel

In unserem Verlagsgebäude finden regelmäßig Salons, Vorträge und Debatten statt, zu denen wir Sie herzlich einladen.