Neonazi-Attacke : "Ein Wunder, dass er überlebt hat"

Nach der brutalen Attacke von vier Neonazis in Friedrichshain ist das 22-jährige Opfer außer Lebensgefahr. Mittlerweile wurde ein linker Schläger festgenommen, der die Täter zuvor attackiert haben soll.

Tanja Buntrock,Frank Jansen

Nach dem brutalen Überfall auf einen jungen Mann und Haftbefehlen gegen vier mutmaßliche Täter aus dem rechten Spektrum ist jetzt ein Schläger aus der linken Szene festgenommen worden. Wie die Polizei am Dienstag weiter mitteilte, soll der Vorbestrafte bei der Auseinandersetzung zwischen beiden Gruppen einen Rechten attackiert haben. Dies habe sich jetzt bei den Ermittlungen herausgestellt.

Derweil ist das 22-jährige Opfers weiter außer Lebensgefahr. Er liege nicht mehr auf der Intensivstation und sei wieder ansprechbar, könne aber wegen seiner schweren Verletzungen noch nicht befragt werden, sagte ein Polizeisprecher. „Es ist ein Wunder, dass er überlebt hat“, so ein Ermittler gestern. Wie berichtet, hatten vier Männer aus der rechten Szene (20 bis 26 Jahre) den arglosen Neuköllner am Sonntag früh geschlagen und getreten, bis er das Bewusstsein verlor. Der 26-jährige Haupttäter zog das Opfer dann auf den Fahrradweg, legte es mit dem Gesicht nach unten und trat ihm gegen den Hinterkopf. Gegen die vier Männer erging am Montagabend Haftbefehl wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Zwei der Männer bestritten eine Beteiligung, zwei äußerten sich nicht zum Tathergang.

Nach Tagesspiegel-Informationen kommen alle vier aus der Nähe von Königs Wusterhausen in Brandenburg. Dort sind sie bereits als rechte Rohheits- und Gewalttäter polizeibekannt. Allerdings sei keiner von ihnen in einer Kameradschaft oder der Hooligan-Szene organisiert gewesen. Vor der Tat seien die vier Männer in der Diskothek „Jeton“ in der Frankfurter Allee gewesen. Die Disko war 2005 in die Schlagzeilen geraten, nachdem dort eine Großrazzia der Polizei gegen gewaltbereite Hooligans stattgefunden hatte. Auf dem Nachhauseweg waren die vier Brandenburger auf dem Verbindungsweg zwischen U- und S-Bahn Frankfurter Allee zunächst mit einer Gruppe Linker aneinandergeraten. Der 22-jährige Neuköllner, ein Deutscher, sei zufällig als Opfer ausgewählt worden.

Dass sie seinen Kopf auf den Gehweg legten und zutraten, erinnert an die Bordsteinkick-Szene im US-Film „American History X“, in dem es um rechte Gewalt geht. Dort wird das Opfer mit seinem Mund an einem Bordstein fixiert und in den Nacken getreten. Ähnlich wurde 2002 der 16-jährige Marinus Schöberl im brandenburgischen Potzlow von Neonazis getötet. Voriges Jahr gab es 1377 rechte Straftaten, davon 91 Gewaltdelikte. Die linke Szene hat für Sonnabend eine Demonstration am Bersarinplatz in Friedrichshain angekündigt.

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