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Neue mögliche Opfer : Kopfgeld auf Giftmischer ausgesetzt

Nach den Gift-Attacken der vergangenen Tage, haben Weihnachtsmarktbetreiber jetzt eine Belohnung zur Ergreifung des Täters ausgesetzt. Erneut haben sich drei mutmaßliche Opfer gemeldet.

von und Alexander Budweg
Am 12. Dezember wurde ein weiterer Fall von Giftopfern auf Berliner Weihnachtsmärkten bekannt: Am Alexanderplatz traf es eine 31-Jährige und einen 33-Jährigen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
09.12.2011 11:36Am 12. Dezember wurde ein weiterer Fall von Giftopfern auf Berliner Weihnachtsmärkten bekannt: Am Alexanderplatz traf es eine...

Nach den Giftattacken auf Weihnachtsmarktbesucher haben sich am Montag und Dienstag drei weitere mögliche Opfer bei der Polizei gemeldet. Eine 39-jährige Frau und ihr 43-jähriger Begleiter gaben an, ein Unbekannter habe ihnen bereits am späten Samstagabend auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Kaufhof am Alexanderplatz zwei Becher mit Glühwein geschenkt, aus denen sie offenbar bedenkenlos tranken. Auf dem Heimweg hätten sie sich dann übergeben müssen und Probleme mit dem Kreislauf bekommen.

Ein 21-Jähriger wurde hingegen am Montag möglicherweise Opfer des mysteriösen Giftmischers. Er gab an, um 19.30 Uhr mit einem Bekannten auf dem großen Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz gewesen zu sein und dort von einem Mann im Weihnachtsmannkostüm ein Getränk erhalten zu haben. Gegen 20.45 Uhr sei ihm übel geworden. Dennoch zechte er laut Polizei mit seinem Bekannten in einem Adlershofer Imbiss weiter – von dort rief er wegen seiner Übelkeit die Feuerwehr. Die Polizei prüft nun, ob es sich tatsächlich um einen Vergiftungsfall handelt.

Welche Substanz es genau war, die der gesuchte Unbekannte vorige Woche den Schnapsflaschen beigemischt hat, die er dann an Besucher verschiedener Weihnachtsmärkte verteilte, war auch Dienstag noch nicht bekannt. Ein Ermittler bestätigte jedoch, dass die Polizei ganz stark von so genannten K.O.-Tropfen ausgehe.

Die Stimmung lassen sich die meisten Weihnachtsmarkt-Flaneure jedoch offenbar nicht vermiesen. So, wie die Reisegruppe aus Wuppertal, die am Montag berichtete, dass sie sich von einem „armen Irren“ nicht abhalten lasse, den Weihnachtsmarkt zu besuchen. Die Reisegruppe aus Wuppertal ist schließlich erst Montag in Berlin angekommen und trinkt gerade den ersten heißen Glühwein auf dem Markt am Alexanderplatz. Zwar schockiere es sie, dass ein Unbekannter bereits mehrere Menschen hier vergiftet haben soll. Sie wollen sich aber nicht verrückt machen lassen, sagt eine der Frauen. Und sowieso: „Ich würde von einem Fremden nichts annehmen.“

Nicht alle haben so in den vergangenen Tagen gedacht. Am Sonntag hat sich ein weiteres Opfer gemeldet und Anzeige bei der Polizei erstattet. Nach Angaben der Polizei hatte ein Unbekannter die 31-Jährige und ihren 33-jähriger Bekannten am vorigen Mittwoch zu einem Schnaps eingeladen. Der Mann soll sie gegen 21 Uhr am Alexanderplatz angesprochen haben und ihnen – wie den anderen Opfern auch – die Geschichte von der angeblichen Geburt seiner Tochter erzählt haben, auf die er anstoßen wolle. Anschließend habe der Mann den beiden mitgebrachte Schnapsfläschchen aus seinem Rucksack zum Trinken angeboten. Bereits kurz danach habe die 31-Jährige über Übelkeit geklagt und sich übergeben müssen. Ihrem Bekannten sei es ebenso ergangen. Ins Krankenhaus mussten die beiden nach Angaben der Polizei jedoch nicht gebracht werden. Sie seien erst durch die Berichterstattung der Medien über die bisherigen Vergiftungsfälle aufmerksam geworden und erstatteten deshalb am Sonntag Anzeige.

Auf den Weihnachtsmärkten hat sich die Geschichte mit den vergifteten Schnäpsen schnell herumgesprochen; Warnhinweise sind aber hier am Alexanderplatz nicht zu entdecken. „Ich glaube, dass die Leute durch die Informationen aus der Presse sensibilisiert genug sind“, sagt ein Sprecher des Weihnachtsmarktes vor dem Einkaufszentrum Alexa. Stattdessen habe man hier die eigenen Sicherheitsleute „ausführlich“ informiert und ein internes Kopfgeld, also eine Belohnung auf die Ergreifung des Täters ausgesetzt. Sanitäter, die auf den Märkten im Einsatz sind, beschweren sich hingegen über mangelnde Informationen von Behörden.

Der Unbekannte wird stets so beschrieben: Er soll 1,80 Meter groß und etwa 40 Jahre alt sein. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um denselben Täter handelt, der ebenfalls am 7. Dezember einem Paar – 24 und 26 Jahre alt – auf dem Weihnachtsmarkt am Opernpalais offenbar vergiftete Schnapsflaschen angeboten hatte.

Einen Tag später, am 8. Dezember, folgten zwei weitere Taten auf dem Breitscheidplatz und wieder eine auf dem Alexanderplatz: Fünf Menschen hatte der Täter auf beiden Weihnachtsmärkten mit der Lügengeschichte zum Trinken verführt. Teilweise waren die Symptome danach so schlimm, dass die Opfer zusammenbrachen und kurzzeitig das Bewusstsein verloren.

Gift auf Berlins Weihnachtsmärkten: Das sagen Standbetreiber und Besucher
Auf Berliner Weihnachtsmärkten sind Besucher mit manipuliertem Schnaps vergiftet worden. Ein Unbekannter behauptete, er sei gerade Vater geworden und wolle darauf anstoßen. Zehn Leute fielen auf diese Masche herein. Catharina Jansen und Karin Gaedecke fragen sich, was der Mann bezwecken will. Dass der Täter sich angeblich als Weihnachtsmann verkleidet, finden sie einfach niederträchtig.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Alexander Budweg
12.12.2011 18:24Auf Berliner Weihnachtsmärkten sind Besucher mit manipuliertem Schnaps vergiftet worden. Ein Unbekannter behauptete, er sei gerade...

Der jüngste Fall ereignete sich nach jetzigen Erkenntnissen am Sonnabend: Eine 15-Jährige wurde auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Einkaufszentrum Alexa von einem als Weihnachtsmann verkleideten Mann angesprochen. Dieser spendierte ihr einen Schnaps. Das Mädchen musste sich mehrfach übergeben, hatte kurzzeitig Erinnerungslücken.

Die Polizei geht davon aus, dass dem Inhalt der Schnapsflaschen wahrscheinlich K.O.-Tropfen – ein verschreibungspflichtiges Narkotikum – beigemischt worden waren. Das Ergebnis der Untersuchungen durch die Kriminaltechniker steht noch aus. Die Polizei warnt davor, von Fremden angebotene Getränke anzunehmen und zu konsumieren.

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