Neukölln : Rapper auf der Straße angeschossen

Was meistens in den Songtexten bleibt, ist traurige Realität geworden. Der selbsternannte Gangster-Rapper "Massiv" fiel fast dem Kugelhagel zum Opfer. Es ist der bislang brutalste Vorfall in der Hip-Hop-Szene.

Massiv Foto: promo
Rapper "Massiv" auf einem Plattencover. -Foto: promo

In ihren Songtexten drohen sich die Rapper regelmäßig gegenseitig Gewalt an – doch immer häufiger wird daraus auch Ernst. Diesmal wurde der Berliner Gangster-Rapper Wasiem Taha – bekannt unter dem Pseudonym Massiv – Opfer eines Angriffs. Ein Unbekannter hat ihn am Montagabend in Neukölln angeschossen.

Es war gegen 22.10 Uhr, als der 25-jährige Massiv an seinem Auto in der Schierker Straße stand und telefonierte. In diesem Moment soll der Täter auf ihn zugegangen sein und mehrere Schüsse abgefeuert haben. Eine Kugel traf den Rapper am Arm. Der Täter flüchtete in einem dunklen Auto. Massiv erlitt eine Fleischwunde und wurde in einer Klinik ambulant behandelt. Anschließend durfte er das Krankenhaus wieder verlassen.

Persönlich wollte sich Massiv – Sohn palästinensischer Flüchtlinge – gestern nicht zu dem Vorfall äußern. „Er ist noch extrem geschockt“, sagte sein Manager. „Mit dieser neuen Qualität der Gewalt konnte keiner rechnen.“ Alle Konzerttermine und Fernsehauftritte der nächsten Tage seien abgesagt worden.

Gewalttätige Übergriffe auf Rapper haben sich in den vergangenen Monaten gehäuft. Ende November wurde der Berliner Patrick Losensky alias Fler in den Studios des Musiksenders MTV von zwei Unbekannten mit Messern angegriffen. Rapper Massiv war im Juni 2007 in Duisburg auf der Bühne von einem Unbekannten mit einem Schlagring attackiert worden. Anschließend wies er stolz darauf hin, dass er trotz der Attacke nicht zu Boden gegangen sei. Seine Begründung damals: „Mein Vater hat mich hart erzogen“. Streitereien sind in der Hip-Hop-Szene keine Seltenheit, oft sind rivalisierende Rapper in langjährige Fehden verwickelt. In den USA kam es dabei in den 90er Jahren zu Todesfällen. In Deutschland wurden bisher keine Schusswaffen eingesetzt.

Unter Berlins Rappern gelten Massivs Texte als besonders aggressiv und beleidigend. Immer wieder griff er dabei auch Rapkollegen wie Bushido, B–Tight oder Sido an. Bekannt ist er zudem für seine gewalttätige Sprache: In seinem Lied „Opferfest“ droht Massiv, seine Feinde mit einer Kettensäge „aufzuschlitzen“ und mit einer Maschinenpistole um sich zu schießen.

Zu den Hintergründen der Schüsse auf Massiv konnte die Kripo gestern nichts sagen. Allerdings wunderten sich einige Ermittler über die Umstände der Tat: Vor allem darüber, dass Massiv lediglich eine Wunde am Arm erlitten hatte, „obwohl der Täter aus nächster Nähe mehrere Schüsse auf den Rapper abgab.“ Nicht auszuschließen sei, dass die Tat inszeniert wurde, „weil die Mitglieder besonders hart wirken und so Aufmerksamkeit erregen wollen“. Auch dies werde geprüft. Massivs Management weist solche Vorwürfe zurück. „Das ist perfide, jemandem so etwas zu unterstellen.“

Doch auch seit dem Angriff auf Fler prüft die Polizei, ob die Tat inszeniert gewesen sei – Ergebnisse gebe es aber noch nicht. Die Täter sind nicht gefasst. Unklar bleiben auch die Hintergründe einer Attacke auf den Rapper Sido im November 2006: Kurz bevor sein neues Album herauskam, brachen Unbekannte in das Büro seiner Plattenfirma ein. tabu/sel

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben