Neukölln : Vom Richter zum Psychiater

Der Feuerteufel aus Neukölln soll in die Nervenklinik. Der "Reifenstecher vom Savignyplatz" ist schon da.

Jörn Hasselmann

Immer brannte es in der Hausnummer 16. Jedes Mal rückte in den vergangenen Wochen die Feuerwehr in den Michael-Bohnen-Ring nahe der Sonnenallee aus, und in allen Fällen waren die mit Papier gelegten Kleinbrände schnell gelöscht. Doch die Mieter des Blocks hatten dennoch Angst – gestern ging deshalb ein Aufatmen durch die Neuköllner High-DeckSiedlung. Denn kurz nach Mitternacht nahmen Zivilbeamte des Neuköllner Polizeiabschnittes den Brandstifter auf frischer Tat fest. Es ist ein 25-Jähriger, der selbst in der Hausnummer 16 wohnt. Wegen der vielen Zündeleien war das Haus nachts intensiv observiert worden. Der psychisch verwirrte Mann soll am heutigen Freitag einem Richter vorgeführt werden. Ziel ist es, ihn in der geschlossenen Psychiatrie unterzubringen.

Auch in einem anderen Fall hat die Staatsanwaltschaft jetzt gegen einen offensichtlich psychisch gestörten Täter durchgegriffen. Der „Messerstecher vom Savignyplatz“ ist vor wenigen Tagen von einem Richter in die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik eingewiesen worden.  Wie berichtet, hatte der 57-Jährige in den vergangenen elf Jahren mehrere hundert Autoreifen rund um den Charlottenburger Savignyplatz zerstochen. Da der Mann wegen einer psychischen Erkrankung als „schuldunfähig“ eingestuft war, konnte er nicht bestraft werden – die Anwohner waren ebenso wütend wie hilflos. Nach jeder Festnahme musste der Vietnamese freigelassen werden und zerstach wieder Reifen. Eine Einweisung in die Psychiatrie war unmöglich, die Sachbeschädigungen reichten dafür nicht aus.

Doch dann war Anh Vu D. Anfang März mit exhibitionistischen Handlungen auf dem Platz aufgefallen, daraufhin hatte Gesundheitsstadträtin Martina Schmiedhofer (Grüne) ihn für vier Wochen in einem privaten Krankenhaus untergebracht. Dort ist er mehrfach aufgefallen, er soll sich bewaffnet und verbarrikadiert haben. Dies und der gravierende Fall von Exhibitionismus waren nun der Auslöser, D. doch in die geschlossene Psychiatrie zu bringen. Anfang März war die Tat von Polizei und Bezirk als „entblößtes Geschlechtsteil“ verharmlost worden. Tatsächlich hatte sich D. öffentlich selbst befriedigt – vor Kindern.

Diese schwere Tat wird den 57-Jährigen zwar nicht ins Gefängnis bringen, aber die Justiz hat jetzt die Handhabe, ihn dauerhaft in den Maßregelvollzug einweisen zu lassen. In einem ersten Gutachten haben Ärzte eine Selbst- und Fremdgefährdung festgestellt.

Der Fall Anh Vu D. war Anfang des Monats sogar im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses besprochen worden. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hatte dort mitgeteilt, dass eine Abschiebung nicht möglich sei. „Die Botschaft hat sich mehrfach geweigert, Papiere für ihren Landsmann auszustellen“, hatte Körting gesagt, da Vietnam keine psychisch gestörten Staatsbürger aufnehme.

Im Fall der Brandstiftungen in der Moabiter Huttenstraße gab es gestern keine neuen Erkenntnisse. Ein vermutlich gestörter Täter hatte dort in den vergangenen Wochen fünf Brände gelegt, eine Frau war dabei getötet worden.

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