Ordnungsämter und Hundekot : Ein Haufen Ärger

Seit vier Jahren gibt es die Ordnungsämter. Gegen Hundekot sind sie machtlos, anderswo gibt es Erfolge.

Stefan Jacobs
Erste Kiezstreifen in Berlin
Gelbe Karte. Ordnungsamts-Mitarbeiter auf Streife.Foto: dpa

Die Berliner Ordnungsbeamten sind unterbezahlt, nicht gut genug geschult und in vielen Fällen machtlos – aber trotz alledem eine unentbehrliche Ergänzung der Polizei. So etwa lautet das Fazit einer Anhörung im Abgeordnetenhaus. Vier Jahre nach Einrichtung der Ordnungsämter hat sich der Innenausschuss auf Antrag der CDU mit dem Thema befasst.

Uniform erschwert Kampf gegen den Hundekot

Als sie etabliert wurden, galten die Ordnungsämter vor allem als Waffe gegen das ewige Hundekot-Problem. Als solche haben sie nach Darstellung des Pankower Ordnungsstadtrates Jens-Holger Kirchner (Grüne) allerdings versagt: In Uniform könne man kaum darauf hoffen, Hundebesitzer in flagranti zu erwischen. Und sich stattdessen in Zivil auf die Lauer zu legen, halte er für unangemessen. Er habe den vagen Eindruck, dass die in letzter Zeit aufgestellten Tütenspender an einigen Grünanlagen das Tretminenproblem ein wenig entschärfen würden, sagte Kirchner. Wogegen der SPD-Abgeordnete Fritz Felgentreu aus Neukölln zu berichten wusste, dass die bereitgestellten Plastiktüten dort vorzugsweise zum allgemeinen Gebrauch mitgenommen würden.
Bei den Prioritäten des Pankower Ordnungsamtes fürs nächste Jahr ist laut Kirchner die meiste Kapazität fürs Knöllchenschreiben eingeplant, gefolgt von der Jagd auf Gehwegradler und illegale Müllentsorger. Die Radfahrerkontrollen „machen wir nur zusammen mit der Polizei und neuerdings auch mit dem ADFC“, sagte Kirchner. „Was da abgeht, ist unseren Leuten nicht zuzumuten.“

Beschimpfungen gehören zum Alltag

Dass sie beschimpft werden, gehört für die Ordnungsamtsmitarbeiter trotz zunehmender Akzeptanz noch immer zum Alltag. „Wir hätten gern Handfesseln, um notfalls Leute bis zum Eintreffen der Polizei ruhigstellen zu können“, sagte die Spandauer Amtsleiterin Elke Gassert. „Dann wären manche unserer Kollegen nicht im Krankenhaus gelandet.“ Bei einem Altersdurchschnitt um die 50 würde ohnehin immer mal wieder jemand krank – und dann reiße allzu schnell die Personaldecke. Zu den vorhandenen 44 Mitarbeitern (ohne Knöllchenschreiber) „könnte ich gut und gern noch 10 bis 20 weitere gebrauchen“. Allein rund 90 Prozent der Arbeit ergäbe sich aus Anrufen von Bürgern: Rund 300-mal im Monat klingele das Telefon, und meist gehe es um Ruhestörungen. Die Einsätze, die dann folgten, seien ebenfalls oft nur mit Polizeiunterstützung zu bewältigen.

Auf Personal aus dem Stellenpool des Landes legen die Bezirke wegen schlechter Erfahrungen keinen Wert: Mal erschienen Kandidaten gar nicht, mal blockierten ungeeignete Mitarbeiter die Plätze für motiviertes Personal. Engagierte Leute seien dank der vor einem Jahr vereinbarten 88 externen Neueinstellungen zwar gefunden worden, diese hätten aber wegen der zunächst auf zwei Jahre befristeten Jobs keine angemessene Perspektive.

Für den Charlottenburg-Wilmersdorfer Ordnungsstadtrat Marc Schulte (SPD) gehört auch das System der Kosten-Leistungs-Rechnung geändert, damit nicht am Jugendschutz – also bei der Kontrolle des Alkoholverkaufs – gespart wird, nur weil die Mitarbeiter beim Knöllchenschreiben mehr Geld erwirtschaften.

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