Poker-Raub : Auf die heiße Spur lauern

Neun Tage ist der Überfall auf das Pokerturnier im Grand Hyatt jetzt nicht aufgeklärt – denn trotz des immer wieder beschriebenen Dilettantismus gibt es keine unzweifelhaften Hinweise auf die Täter.

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Ermittler
Die Polizei hat offenbar noch eine andere Spur - auch diese führt nach Berlin. -Foto: dpa

Neun Tage ist der Überfall auf das Pokerturnier im Grand Hyatt jetzt nicht aufgeklärt – denn trotz des immer wieder beschriebenen Dilettantismus gibt es keine unzweifelhaften Hinweise auf die Täter. So spektakulär der Raub der 242 000 Euro vor laufenden Fernsehkameras auch war, die Ermittler des Raubdezernats müssen ihre Spuren mühsam zusammentragen. Das braucht viel Zeit. Nur ist der öffentliche Druck wie selten zuvor und so stark wie sonst nur bei Mordfällen. Angeheizt wurde er ausgerechnet vom Polizeipräsidenten Dieter Glietsch, der bereits zwei Tage nach dem Coup „gute Chancen“ für eine rasche Aufklärung verkündete.

Ob das positiv gesehen wird bei den Ermittlern? Das Präsidium schweigt sich aus. Die Ermittlungen sollen nicht gefährdet werden, heißt es lediglich. Die Festnahme eines angeblich Tatverdächtigen in der Nacht zu Sonnabend hat jetzt die Spekulationen wieder angeheizt. Wie berichtet, war einer der Täter vom Spielbanküberfall 2004 am Alex festgenommen worden. Stunden später gab es eine selten dürre Pressemeldung der Staatsanwaltschaft: „Der dringende Tatverdacht hat sich nicht bestätigt.“ Dem Vernehmen nach hatte Muhammed B. ein Alibi. Dieses konnte bei der vorher erfolgten verdeckten Observation nicht abgeklärt werden, hieß es bei der Polizei. Als „Panne“ wollte man diese Festnahme deshalb nicht bezeichnen. Zudem soll das Alibi auch nicht ganz wasserdicht sein.

Offenbar hatten Fahnder den verurteilten Räuber B. auf den Aufnahmen vom Hyatt-Überfall wiedererkannt. Beweise wie DNA-Spuren oder Fingerabdrücke gab es keine. Unklar blieb auch gestern, ob die zahlreichen DNA-Spuren vom Überfall schon gesichert, ausgewertet und analysiert worden sind. Das Prozedere ist zeitaufwendig. Denn nicht nur Täter hinterlassen DNA, sondern das tut jeder Mensch. Es muss deswegen geklärt werden, welche Hautschuppe und welches Haar von „befugten“ Person stammt – also dem Besitzer etwa einer Tasche oder seinen Familienangehörigen. Was danach von „unbekannt“ übrig bleibt, wird in der DNA-Datenbank beim Bundeskriminalamt abgeglichen. Dort sind derzeit knapp 700 000 Personendatensätze und 170 000 Spurendatensätze eingestellt. Ob der BKA-Computer schon mit DNA-Spuren aus den Poker-Proben gefüttert wurde? Das Präsidium schweigt. Einen Treffer scheint es jedenfalls bislang nicht gegeben zu haben, sonst hätte man sich die Festnahme von Freitag sparen können.

Muhammed B. gehörte beim Überfall 2004 zum Umfeld eines der bekanntesten kriminellen Clans in Berlin, der Familie El-Z. Mitgliedern dieser Familie wird auch der Poker-Überfall vor neun Tagen zugetraut. Dass diese Familien es der Polizei nicht leicht machen, ist bekannt. So werden Mobiltelefone ständig gewechselt, um das Abhören zu erschweren. Autos werden von Strohmännern angemeldet. Dass die Bilder aus den Überwachungskameras, auf denen die vier Täter unmaskiert zu sehen sind, noch nicht veröffentlicht wurden, zeigt eines: Die Polizei hat eine andere, erfolgversprechende Spur. Diese soll nach Berlin führen. Und auf ihr begründete sich auch der Optimismus des Polizeipräsidenten.

Hätten sich reisende Täter aus Osteuropa oder vom Balkan das Bargeld des Pokerturniers zusammengerafft, wären sie längst über eine Grenze – und damit weg. Das glauben zumindest die Ermittler im Landeskriminalamt. So war es vermutlich bei den Männern, die im August 2008 eine Filiale der Commerzbank am Kurfürstendamm ausräumten. Während der laufenden Bauarbeiten im Hause waren von der Bande die Schließfächer im Keller ausgeräumt worden. Auch der gut ausbaldowerte Überfall auf eine laufende Immobilienversteigerung im Amtsgericht Lichterfelde mit 128 000 Euro Beute in bar ist nicht aufgeklärt.

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