Prozess : Amanis Mutter beteuert weiter ihre Unschuld

Im zweiten Prozessauftakt um den Tod des Kindes rügt die Verteidigung die Ermittlungen scharf. Entlastende Beweise wurden "ignoriert oder gar umgedeutet", sagt die Anwältin.

Kerstin Gehrke

Alles noch einmal. Das Verlesen der Anklage, die Erklärung der Angeklagten, die ersten Zeugen. Teshua K. wirkte wie im ersten Anlauf des Prozesses, der wegen der Erkrankung eines Richters geplatzt war, gefasst. Freundlich und interessiert sah sie sich gestern im Saal 537 des Moabiter Kriminalgerichts um. Die Verteidigerin verlas wie vor drei Monaten eine Erklärung für Teshua K. Darin beteuerte die 33-Jährige: „Ich bin mir absolut sicher, dass ich meine Tochter nicht getötet habe.“

Es geht um ein Verbrechen, das Berlin erschütterte. An einem sonnigen Vormittag im Mai letzten Jahres fand eine Spaziergängerin in einer Grünanlage in Schmargendorf ein verblutetes Kind. Dem dunkelhäutigen Mädchen war die Kehle durchschnitten worden. Das Foto des achtjährigen Mädchens war am nächsten Tag in allen Zeitungen. Doch es meldete sich keine Mutter, die ihr Kind vermisste. Es war der Vater von Amani, der seine Tochter erkannt hatte. Seine Ex-Frau aber war zunächst spurlos verschwunden.

Die Mutter stand schnell unter Verdacht. 36 Stunden nach dem Mord tauchte Teshua K. wieder in dem Heim für obdachlose Mütter nicht weit vom Tatort entfernt auf. Dort war sie nach dem Verlust ihrer Wohnung einige Wochen zuvor untergekommen. Sie ließ sich widerstandslos festnehmen, schwieg dann bis zum Beginn der ersten Verhandlung. „Die Ermordung meiner Tochter ist das schlimmste Verbrechen, das ich mir vorstellen kann“, trug jetzt Anwältin Beate Böhler erneut für die Mutter vor. „Amani war die Freude und der Sinn meines Lebens.“

Aus Sicht der Verteidigerin ist vieles völlig schiefgelaufen im Verfahren. „Das Problematische und Beunruhigende ist, dass sich die Ermittlungen bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt auf unsere Mandantin als einzige Verdächtige fokussiert haben“, kritisierte Böhler. Spuren seien einseitig zu Lasten von Teshua K. interpretiert worden, entlastende Feststellungen „ignoriert oder gar umgedeutet“. Schon der Umstand, dass die Tat in einem öffentlichen und von Spaziergängern, Hundebesitzern oder spielenden Kindern besuchten Park begangen wurde, deute auf einen unbekannten Täter. „Vielleicht einen Wahnsinnigen“, sagte die Anwältin.

Nach Angaben von Böhler wurden fremde Haare auf dem Körper des Mädchens gefunden. Diese seien bei späteren Ermittlungen nicht mehr aufgetaucht. Die Blutspur, die auf der Kleidung der Mutter gefunden wurde, sei ohne Beweiswert. Nach Aktenlage sei „wenig eindeutig, wie das Blut herankam“. Bis heute verschwunden ist die Tatwaffe. Es fehlt auch noch das rosa Fahrrad, mit dem Amani unterwegs gewesen sein soll.

Die Anklage geht von einer heimtückischen Tat aus. Ein möglicher Grund aber wird nicht genannt. Teshua K., Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers, war von Zeugen als eine Mutter beschrieben worden, die sich stets gut um ihr Kind gekümmert hat. „Ihr gegenüber wurde sie nie wütend“, sagte auch der Ex-Freund der Angeklagten. Seine ehemalige Freundin habe einige Wochen vor dem Mord allerdings seltsame Andeutungen wie „alles kann geschehen“ gemacht.

Ist die Mutter der ermordeten Amani möglicherweise psychisch krank? Im Prozess wird sich eine Gutachterin zu dieser Frage äußern. An jenen Tag, an dem Amani starb, und auch an den folgenden könne sie sich nicht erinnern. Alles sei weg. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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