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Prozess gegen Torben P. : Gutachterin: "Er hat leiden müssen"

Der wegen versuchten Totschlags angeklagte U-Bahnschläger Torben P. war bei seiner Tat möglicherweise nur vermindert schuldfähig.

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Torben P. vor Gericht.
Torben P. vor Gericht.Foto: dapd

„Ich kann nicht ausschließen, dass die Steuerungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt erheblich eingeschränkt war“, sagte die als psychiatrische Sachverständige geladene Gutachterin Cornelia Mikolaiczyk am Dienstag vor dem Landgericht Berlin. Infolge seines Alkoholkonsums habe der Angeklagte womöglich „nicht realisiert“, dass der Geschädigte wehrlos am Boden liege. Die Videobilder hätten Torben „deutlich enthemmt“ und mit Koordinationsstörungen gezeigt. Als Konsequenz könnte die Strafe gemildert werden. Dem 18-jährigen Schüler wird vorgeworfen, am Karsamstag auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße einen Mann geschlagen und gegen den Kopf getreten zu haben. Dem mitangeklagten gleichaltrigen Nico A. wird Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen; er hatte einen Mann angegriffen, der zu Hilfe geeilt war.

Mikolaiczyk hatte Torben P. zehn Stunden untersucht. Sie habe den Angeklagten in einer „schwierigen Situation“ für sich und seine Familie angetroffen, ausgelöst von der massiven Medienberichterstattung. Er habe zunächst nur stockend berichten können, sei gereizt und ablehnend gewesen.

Markus P. provozierte vor Schlägerei am U-Bahnhof Friedrichstraße
Dreimal rempelt der in blau gekleidete Markus P. seinen Gegner an, der dabei fast zu Boden geht. Alle drei Beteiligten sind sichtbar betrunken, schwanken und stolpern über den Bahnsteig.Alle Bilder anzeigen
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25.07.2011 15:07Dreimal rempelt der in blau gekleidete Markus P. seinen Gegner an, der dabei fast zu Boden geht. Alle drei Beteiligten sind...

Es sei deutlich geworden, dass er zwischenmenschliche Interaktion „unter dem Aspekt des Machtkampfes“ wahrnehme. Auffällig sei gewesen,  dass er sehr starke familiäre Belastungsmomente wie die Krankheiten der Eltern nicht herausgestellt habe. Die Eltern sind beide Frührentner, sie leiden unter schwerer Diabetes, der Vater auch unter Parkinson – er saß zeitweilig im Rollstuhl – die Mutter unter Depressionen. Zudem hatte die Familie in beengten Verhältnissen die demente Großmutter für Jahre aufgenommen und gepflegt.

Lesen Sie auf weiter auf Seite 2, wie das Thema Krankheiten den Alltag des Angeklagten bestimmte.

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