Prozess : Zweieinhalb Jahre Haft für betrügerische Bankangestellte

Wenn sie sich im Büro oder zu Hause nicht verstanden fühlte, ging Doris P. ausgiebig auf Kosten ihres Arbeitgebers shoppen: Jahrelang griff die damalige Bankangestellte in dessen Kasse. „Mit dem Kauf von Klamotten habe ich mich getröstet“, gestand die 48-Jährige gestern vor dem Amtsgericht. Dort musste sie sich wegen Untreue, Unterschlagung und Betruges verantworten. Es ging um 170 Taten zwischen Juli 2002 und April 2007. Die ehemalige Privatkundenbetreuerin soll einen Schaden von mehr als 200 000 Euro verursacht haben.

Ganz in Schwarz saß sie vor den Richtern. „Ich war damals eigentlich mit gar nichts zufrieden“, seufzte die Angeklagte. „Wenn ich mich dann bedient habe, bin ich sofort einkaufen gegangen. Der Sog ins nächste Kaufhaus war zu groß.“ Die erstandenen schicken und in der Regel recht teuren Kleider, Röcke, Pullis oder Schuhe habe sie zum Teil samt Tüte in den Schrank gestellt. „Die Hälfte der Klamotten habe ich nie getragen.“ Bis zu 1000 Euro gab sie für einen Einkauf aus. Bis in der Bank die jahrelangen Unregelmäßigkeiten auffielen.

Sie richtete mit falschen Namen und Adressen Konten ein und genehmigte den erfundenen Inhabern großzügige Überziehungskredite. Sie fing dann die Post mit den jeweiligen EC-Karten ab, die als nicht zustellbar zur Bank zurückkam und ging shoppen. „Es war total einfach, an Geld zu kommen“, meinte die Angeklagte. Das Risiko, entdeckt zu werden, habe sie einfach verdrängt. Im Durchschnitt zweigte sie sich monatlich 3800 Euro ab. Seit ihrer fristlosen Kündigung zahlt die derzeit arbeitslose Frau aus Steglitz den Schaden mit 60 Euro im Monat zurück.

War es ein süchtiges Verhalten? Nein, stellte ein psychiatrischer Gutachter fest. Er könne keine erheblich verminderte Schuldfähigkeit feststellen. Dem schlossen sich die Richter an. Gegen die Ex-Bankangestellte ergingen zwei Jahre und sechs Monate Gefängnis. K.G.

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