Update

Rabbiner zusammengeschlagen : "Das war eine Attacke auf die Religionsfreiheit"

Sie fragten "Bist du Jude?" - und schlugen zu. Vier Jugendliche haben am Dienstagabend in Friedenau einen Rabbiner im Beisein seiner Tochter brutal attackiert. Der Regierende Bürgermeister Wowereit und Innensenator Henkel verurteilten die Tat scharf.

von und
Den antisemitisch motivierten Angriff auf einen Juden in Berlin hat Klaus Wowereit verurteilt.
Den antisemitisch motivierten Angriff auf einen Juden in Berlin hat Klaus Wowereit verurteilt.Fotos: dpa

„Bist du Jude?“ Das soll einer der vier Jugendlichen am Dienstagabend den Rabbiner gefragt haben. Als der 53 Jahre alte Rabbiner, der eine Kippa trug und mit seiner sechsjährigen Tochter in Friedenau unterwegs war, die Frage bejahte, prügelten die jungen Männer auf ihn ein, beleidigten ihn und bedrohten seine Tochter: „Ich bringe deine Tochter um“, sagte einer, bevor die vier flüchteten. Der Rabbiner wurde im Gesicht verletzt und kam ins Krankenhaus. Seine Frau berichtete, dass er am Mittwochabend wegen eines gebrochenen Jochbeines operiert wurde. Kamerateams sammelten sich vor seinem Wohnhaus. Der Staatsschutz ermittelt – er geht von jungen Männern arabischer Herkunft aus.
Der Angriff fand gegen 18.20 Uhr in der Beckerstraße statt, die zum „Malerviertel“ in Friedenau gehört. Hier, wo die Straßen nach Künstlern wie Cranach und Rubens benannt sind, lebt der Rabbiner mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern. Die Nachbarn, die im gleichen Haus wohnen, sind entsetzt. „Wir sind schockiert über diese Tat“, sagt ein 68-Jähriger. „Und dann auch noch vor den Augen seiner kleinen Tochter.“ Das Viertel sei gutbürgerlich, aber es gebe gewisse Probleme mit einer „Anhäufung arabischer Jugendlicher", die in einem Neubaublock am nahen Dürerplatz leben. Im Wohnblock am S-Bahnhof Friedenau lebten arabische Familien, deren Kinder „in Gruppen häufig aggressiv“ wären. Vor einigen Jahren sei das schlimmer gewesen, daraufhin hätten sich Anwohner zu einer „Bürgerinitiative Dürerkiez“ zusammengeschlossen, um den Kiez um den Platz zu verschönern.

„Seit der Wohnblock saniert worden ist, wurde es besser", sagt der Rentner. Vor zwei Jahren habe sich die Initiative aufgelöst. Der Besitzer der Trattoria in der Beckerstraße, in der Rabbiner Stammgast sei, bestätigt, dass es Probleme mit arabischen Männern gebe. „Der Rabbiner ist ein friedfertiger, ruhiger, höflicher Mann. Wo leben wir denn, wenn einer wegen seines Glaubens verprügelt wird?“, fragt der italienische Wirt wütend. Am Abend habe er vor seinem Restaurant gesessen und zur fraglichen Zeit „arabische Jugendliche vorbeigehen sehen, die sich alle gerade eine Zigarette anmachten“. Von dem Angriff habe er nichts mitbekommen, weil eine Hecke die Sicht versperrt. „Der Rabbiner ist zu mir gelaufen, er war im Gesicht verletzt“, sagt Gastwirt. Eine Straße weiter geht es zum Dürerplatz, der von der S-Bahn-Unterführung, einem Aldi-Markt und pastellfarbenen Wohnblöcken eingerahmt ist.

Seite 1 von 2Artikel auf einer Seite lesen

257 Kommentare

Neuester Kommentar