Reinickendorf : Vater tötet Kind in Berliner Frauenhaus

Ein neuer Fall von Kindstötung erschüttert Berlin: Ein 41-Jähriger hat in Reinickendorf sein Kind durch Schläge getötet und seine Lebensgefährtin verprügelt. Die Frau und das Kind waren in einem Frauenhaus untergekommen.

frauenhaus Foto: ddp
Die Polizei führt den Vater ab. Er tötete sein Kind. -Foto: ddp

BerlinBeim Streit mit seiner ehemaligen Lebenspartnerin tötete ein 41-Jähriger am Freitag seine erst ein dreiviertel Jahr alte Tochter. Der Vorfall ereignete sich in einer Mutter-Kind-Einrichtung des Diakonischen Werkes im Stadtteil Reinickendorf, ausgerechnet in einem Haus, das Frauen und Kindern bei häuslichen Problemen Hilfe und Zuflucht gewähren soll. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen, die Mutter stand unter Schock und wurde psychologisch betreut. Die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen wegen des Verdachts des Totschlags auf.

Sichtlich erschüttert berichtet Einrichtungsleiterin Katalin Gollovitzer von dem Vorfall, der die Mitarbeiter schockiert zurücklässt. Nach ihren Schilderungen war der Besuch des Vaters in dem Appartement, das die Mutter Ende August in der Einrichtung bezogen hatte, vereinbart gewesen. Dabei sei es offenbar zum Streit gekommen.

Heimleiter versuchte einzugreifen

Laut Polizei warf der Mann bei der Auseinandersetzung das Kind heftig zu Boden. Kurz darauf erlag das Mädchen seinen Verletzungen. Noch während des Streits, bei der auch die Mutter leicht verletzt wurde, hatte nach Angaben von Polizeisprecher Bernhard Schodrowski, der stellvertretende Heimleiter, versucht einzugreifen - ohne Erfolg. Der Mitarbeiter wurde dabei ebenfalls leicht verletzt.

Zu den Hintergründen der Auseinandersetzung machte die Polizei zunächst keine Angaben. Vater und Mutter des getöteten Mädchens sollen französischsprachig sein. Der Mann hatte laut Polizei in jüngster Zeit wieder regelmäßig Kontakt zu dem Kind und betreute es auch alleine. Dabei soll er den Berichten der Mitarbeiter zufolge einen liebevollen Umgang mit seiner Tochter gepflegt haben. Heimleiterin Gollovitzer sagte, es habe "keinerlei Anzeichen, dass es zu einer Eskalation kommen könnte", gegeben.

Heimat für Mütter und Kinder

Die Einrichtung in Reinickendorf bietet knapp 100 Wohnplätze vor allem für Kinder und Jugendliche an. Drei kleine Appartements sind für Mütter mit Kindern reserviert, von denen die 31-jährige Mutter mit ihrer kleinen Tochter eines bewohnte. Das Konzept des Heimes sieht Gollovitzer zufolge vor, dass die Väter Kontakt mit ihren Kindern haben. Ihnen sei auch bekannt, dass die Mütter in dem Haus wohnen.

Der Fall dürfte erneut die Frage nach der Sicherheit von Frauen und dem Schutz von Kindern vor häuslicher Gewalt aufwerfen. Sozialstadtrat Andreas Höhne (SPD) sprach von einem "tragischen Fall". Er sehe jetzt den Staat, den Träger der Einrichtung und die Gesellschaft in der Verantwortung, alles zu tun, um so etwas künftig zu verhindern. "Hundertprozentige Sicherheit allerdings wird es nie geben", fügte er hinzu.

Vater soll vernommen werden

Am Mittag wurde die Leiche des kleinen Mädchens zur gerichtsmedizinischen Untersuchung abgeholt. Eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen. Der festgenommene Vater sollte zunächst vernommen werden, ebenso Zeugen aus dem Haus. Die Staatsanwaltschaft will den 41-Jährigen nach eigenen Angaben am Samstag dem Haftrichter vorführen. (dm/ddp)

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