SEK-Einsatz friedlich beendet : Falscher Amok-Alarm an der Uni

Wegen einer angeblichen Bombendrohung war ein Großaufgebot an SEK-Beamten an der TU Berlin vor Ort. Doch der Einsatz war schnell beendet. Der verdächtige Student hat sich gestellt - und war unbewaffnet.

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Beamte des SEK verlassen am Ende des Einsatzes das Unigelände.
Beamte des SEK verlassen am Ende des Einsatzes das Unigelände.Foto: dpa

Es ist kurz vor 15 Uhr, als von weitem zu erkennen ist, wie eine von einer hellbraunen Decke verhüllte Person von Polizisten aus dem Chemie-Gebäude der Technischen Universität geführt wird, ehe sie in einem Polizeiwagen verschwindet. Die Anwesenheit eines 29-Jährigen hat am Mittwochmittag die Technische Universität in Aufruhr versetzt und einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst: Der ehemalige Student, dem am heutigen Tag Hausverbot erteilt werden sollte, hatte sich zu fünfzig Studenten in eine Chemievorlesung gesetzt, er trug eine große Tasche bei sich.
Der Chemieprofessor, der die Vorlesung hielt, alarmierte den Sicherheitsdienst der TU, der um 13 Uhr 30 die Polizei rief. Nach Aussagen einer Polizeisprecherin habe sich der Sicherheitsmann sehr unglücklich ausgedrückt, so dass die Situation als brisant eingeschätzt worden sei. Aus Ermittlerkreisen hatte es zunächst geheißen, es gebe eine Bombendrohung und eine mögliche Amoklage. Der Vorfall endete schließlich glimpflich, niemand wurde verletzt.
Dem Ereignis ging ein Rechtsstreit zwischen dem Mann und der TU voraus: Nachdem die Universität ihn kürzlich aus bisher unbekannten Gründen exmatrikuliert hatte, wollte sich der ehemalige Student wieder einklagen. Er war durch aggressives Verhalten gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der TU aufgefallen und hatte in einem E-Mail-Verkehr mit dem Professor Selbstmordabsichten geäußert. "Er ist mir bei Prüfungen immer sehr unangenehm aufgefallen, weil er so aggressiv werden konnte. Er ist ein merkwürdiger Mensch", sagte ein Professor der TU dem Tagesspiegel.
„Wir können nicht einschätzen, inwiefern von dem Mann eine tatsächliche Bedrohung ausging“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich nach beendetem Einsatz. Die Polizei habe den Hilferuf der TU aber sehr ernst genommen, um sicherzugehen, dass niemand verletzt werde. Die Straße des 17. Juni wurde zwischen Ernst-Reuter-Platz und Siegessäule gesperrt. Gut einhundert Polizisten und SEK-Kräfte waren vor Ort, letztere mussten aber nicht eingreifen. Der Mann sei unbewaffnet gewesen und habe sich widerstandlos festnehmen lassen, sagte Polizeisprecher Redlich. Eine Aussage über den Geisteszustand des Mannes könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht getroffen werden. Um 15 Uhr galt der Einsatz als beendet.
Die TU schrieb in einer Pressemitteilung, da ein Gefahrenpotenzial bereits im Vorfeld erkennbar gewesen sei und Hinweise auf eine persönliche Ausnahmesituation bestanden hätten, habe man die Polizei informiert. Diese ermittelt nun wegen Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Außerdem soll gegen den Studenten laut TU nun tatsächlich ein Hausverbot verhängt worden sein.

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