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Sexualmord in Berlin-Kaulsdorf : Täter erwürgte 18-jähriges Opfer

Nach dem Geständnis eines 30-Jährigen ist der genaue Ablauf der Geschehnisse in der Mordnacht weiter unklar. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Täter sexuelle Nötigung und Mord vor. Vor dem Ermittlungsrichter schwieg der Täter. Er sitzt in Untersuchungshaft.

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Trauer am Tatort: Kerzen brennen am Ort, an dem die 18-Jährige gestorben ist.
Trauer am Tatort: Kerzen brennen am Ort, an dem die 18-Jährige gestorben ist.Foto: dpa

Einen Tag nach dem Geständnis eines 30-jährigen Lichtenbergers hat die Staatsanwaltschaft am Freitagmittag mitgeteilt, dass der Täter sein 18-jähriges Opfer erwürgt hat. Bisher war "Gewalt gegen den Oberkörper" als Todesursache genannt worden. Dem Täter werde sexuelle Nötigung sowie Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs und zur Verdeckung einer Straftat vorgeworfen, sagte Justizsprecher Martin Steltner. Der genaue Ablauf der Geschehnisse in der Mordnacht ist laut Steltner noch nicht restlos geklärt. Der Täter sitzt seit Donnerstag in Untersuchungshaft. Gegenüber dem Ermittlungsrichter schwieg der 30-Jährige zu den Vorwürfen, hieß es aus der Staatsanwaltschaft.

Täter gestand im Verhör

Die Polizei hatte den raschen Ermittlungserfolg am Donnerstagmorgen gemeldet. Der Mann, der in der Nacht von Freitag auf Samstag letzter Woche eine 18-Jährige in Berlin-Kaulsdorf tötete, hatte die Tat gestanden. Zuvor war er mehrere Stunden vernommen worden. "Er wird heute einem Richter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt", hieß es am Donnerstagmorgen aus dem Polizeipräsidium. Der Mann ist den Angaben zufolge 30 Jahre alt und kommt aus Lichtenberg. Laut Polizei steht der Mann auch aufgrund der "Spurenlage" in dringendem Verdacht, einen Sexualmord begangen zu haben. Nähere Informationen - ob beispielsweise DNA-Spuren des Täters am Opfer gefunden wurden - gab die Polizei nicht bekannt. "Das Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen", begründete ein Sprecher die Entscheidung. Zwischen Tat und Geständnis lagen gerade einmal fünf Tage.

Täter stellte sich in Rummelsburg

Der 30-Jährige hatte sich am Mittwochmittag gestellt. Er war seit Dienstag mit Videoaufnahmen der BVG gesucht worden. Laut Polizei hatte der Mann gegen 13 Uhr eine Polizeidienststelle am Nöldnerplatz in Rummelsburg betreten und nach einem Beamten verlangt. "Er gab an, sich auf dem Video wieder erkannt zu haben. Er streitet aber ab, mit der Tat in Verbindung zu stehen", hatte ein Polizeisprecher am Mittwochnachmittag gesagt. "Ob er tatsächlich derjenige auf dem Video ist und ob er mit der Tat in Verbindung gebracht werden kann, wird derzeit ermittelt", sagte der Sprecher weiter. Der Mann war vorläufig festgenommen und von den Ermittlern der Mordkommission intensiv befragt worden. In der Nacht zu Donnerstag räumte der 30-Jährige die Tat schließlich ein. Laut Polizei war der Mann bislang nicht kriminell in Erscheinung getreten.

Polizei hatte Video am Dienstag veröffentlicht

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten vier Tage nach dem gewaltsamen Tod der 18-Jährigen mehrere Fotos und ein Video des Tatverdächtigen veröffentlicht. Die Bilder stammen aus den Überwachungskameras der BVG auf den Bahnhöfen Frankfurter Allee und Wuhletal, der Täter war auf den Aufnahmen deutlich zu erkennen gewesen. Die Ermittler baten um Hilfe bei der Suche nach dem Verdächtigen - was rasch auf Widerhall in der Bevölkerung stieß.

Binnen weniger Stunden waren 15 konkrete Hinweise zum Verdächtigen bei der Polizei eingegangen. "Unter den Hinweisen sind auch die Namen mehrerer Personen, bei denen es sich um den Verdächtigen handeln könnte", hatte eine Sprecherin am Mittwochmorgen gesagt. Die Namen seien von Anrufern genannt worden, die den Mann auf dem Video wieder erkannt hatten. Ob auch der Name des Täters darunter war, ist unklar.

Der Druck der Öffentlichkeitsfahndung sorgte aber offenbar dafür, dass der Mann aus freien Stücken zur Polizei ging. Nachdem sich der Täter gestellt hatte, wurde das Fahndungsvideo wieder von der Seite der Polizei genommen.

Behörden gehen von Mord aus

Die Behörden sprechen seit Dienstag offiziell von Mord. Ein Mord liegt laut Strafgesetzbuch vor, wenn der Täter "aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen" einen Menschen tötet. Die Polizei hatte in den vergangenen Tagen immer wieder ausdrücklich betont, dass ein Sexualdelikt nicht ausgeschlossen werden könne. Der Vorwurf der sexuellen Nötigung ist ein Sammelbegriff für sexuelle Handlungen, die gegen den Willen des Opfers vorgenommen wurden. Eine Vergewaltigung wird juristisch als besonders schwerer Fall sexueller Nötigung behandelt.

Täter und Opfer trafen sich in der U-Bahn

Opfer und Täter hatten am frühen Samstagmorgen auf dem U-Bahnhof Frankfurter Allee gewartet. Nach Angaben der Polizei kannten sich die beiden nicht. Der Täter - Brillenträger, Bauchansatz, schütteres Haupthaar - soll sich laut Polizei schon auf dem Bahnsteig "augenscheinlich auffällig für das spätere Opfer interessiert" und sich in seiner Nähe aufgehalten haben.

Als die 18-Jährige um 1.24 Uhr eine U-Bahn der Linie 5 in Richtung Hönow nahm, stieg auch der Täter mit ein. In der U-Bahn soll er wieder die Nähe des späteren Opfers gesucht haben. Als dieses um 1.37 Uhr am Bahnhof Wuhletal ausstieg, verließ auch er die U-Bahn. Der 30-Jährige war der Frau laut Polizei "zügig" in Richtung Ausgang gefolgt.

Wie berichtet, war die 18-Jährige auf dem Heimweg von einer Party gewesen und wollte über einen Verbindungsweg vom Bahnhof zur Dorfstraße nach Kaulsdorf laufen. Auf diesem Weg muss der Täter die junge Frau eingeholt, überwältigtAm Fr und erwürgt haben. Eine Passantin hatte den Leichnam am Samstagmorgen gegen 6 Uhr in einem Gebüsch entdeckt.

Hunderte nahmen am Mittwochabend Abschied

Am Mittwochabend nahmen mehrere hundert Menschen Abschied von der Getöteten. Die Evangelische Kirchengemeinde Kaulsdorf hatte für 17 Uhr zu einer Gedenkandacht am Tatort aufgerufen.

Innensenator Frank Henkel (CDU) bedankte sich am Donnerstagvormittag "aus tiefem Herzen" bei den Mordermittlern. Der schnelle Ermittlungserfolg schaffe "ein wenig Erleichterung, auch wenn es dieses entsetzliche Verbrechen nicht ungeschehen macht", sagte der Innensenator.

Henkel nannte die Tat "außerordentlich erschütternd" - für die Eltern der Getöteten sei ein "Albtraum" real geworden. "Ich wünsche der Familie und den Freunden der getöteten Schülerin viel Kraft, über diesen schmerzlichen Verlust hinwegzukommen", sagte Henkel. "Wir können nur erahnen, was sie gerade durchmachen. Aber wir sind in Gedanken bei ihnen."

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