Tragödie : Polizei sucht Motiv bei Verlobten-Mord

Dorian B. tötete erst seine Freundin, dann sich selbst. Nach der Tragödie in Friedenau ermittelt die Polizei im Umkreis des Paares, um dem Motiv auf die Spur zu kommen.

Tanja Buntrock

BerlinDer Täter ist tot - doch damit ist für die Ermittler der Fall aus Friedenau noch nicht abgeschlossen. Fest steht lediglich, dass es sich offenbar um eine Beziehungstat handelte, bei der am Sonntag die 19-jährige Vanessa H. von ihrem Verlobten in ihrer Wohnung erwürgt wurde. Anschließend erhängte sich Dorian B., 20 Jahre alt, mit dem Duschschlauch. Das hat auch die Obduktion bestätigt. Doch das Motiv der Tat ist noch nicht eindeutig geklärt. "Zur Aufklärung einer Straftat gehört, den Täter zu finden, aber auch, das Motiv zu erhellen", sagte gestern der Leiter der 5. Mordkommission, Michael Hoffmann. Also versuchen die Beamten aufzuklären, was Dorian B. zu dem Mord an seiner Freundin getrieben hat.

Laut Hoffmann haben seine Ermittler "einige Ansätze", offiziell will sich die Polizei nicht dazu äußern. Allerdings verdichten sich die Hinweise, dass Dorian B. Angst hatte, dass seine große Liebe ihn verlassen könnte. Die beste Freundin von Vanessa hatte der "Bild"-Zeitung berichtet, dass es schon seit Wochen zwischen dem Paar, das sich vor einem Jahr im Internet kennengelernt hatte, kriselte. Wie berichtet, hatten Vanessa und Dorian ihre Liebe im Internet dokumentiert - vor allem im Chatforum "knuddels.de".

Erst vor einigen Monaten zog das Paar zusammen

Dort war auch zu lesen, dass sich die beiden am 11. November 2007 verlobt hatten. Vor einigen Monaten soll Dorian, der nicht weit entfernt in der Wilmersdorfer Wohnung seiner Eltern lebte, sogar zu Vanessa in die Einzimmerwohnung gezogen sein. Bei ihrer Freundin beklagte sich Vanessa in den vergangenen Wochen, dass Dorian nie aufräume und ständig vor dem Fernseher oder dem Computer sitze. In einer E-Mail an die Freundin schrieb Vanessa am Sonntag: "Wenn ich jetzt mit ihm Schluss mache, dann wird er gehen wollen. Aber kann ich ihn mitten in der Nacht gehen lassen? Das ist ja auch mies."

Die Ermittler befragen Angehörige, Verwandte und Freunde des Paares , prüfen aber auch die Chatkontakte der beiden, die sich als "Luftikuss007" (Vanessa) und "New Shadow" (Dorian) ausgaben, sagt Chef-Ermittler Hoffmann. Auch E-Mails würden nachverfolgt. Allerdings waren alle Verbindungen, die auf die Seiten von Luftkuss007 und New Shadow auf "knuddels.de" führten, gestern schon aus dem Netz genommen worden.

Umfragen zum Tod des Paares unerwünscht

"Knuddels.de" ist eine Chatgemeinschaft für Jugendliche und junge Erwachsene. Jeder, der sich dort mit einem Spitznamen registriert, kann mit circa zwei Millionen Leuten, die hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum kommen, online kommunizieren. In über 100 sogenannten Channels, die in sieben Kategorien gegliedert sind (z B. "Flirt" oder "Lokalrunde"), kann man sich unterhalten. Wer sich jedoch gestern einloggte und fragte, ob der Tod von Luftikuss007 und New Shadow thematisiert werde, wurde vom Administrator, der den Chat "überwacht", darauf hingewiesen, zu diesem Thema bitte keine Umfragen zu starten.

Am Tag nach der Tat war im Netz noch ein von Dorian produziertes Video mit dem Titel "Trauer" zu finden, in dem er die Angst vor dem Verlust seiner ersten großen Liebe thematisierte ("Ich war so oft so lang allein und einsam"). Ermittler Hoffmann sagt: "Alles, worauf wir sofort Zugriff haben, werten wir aus. Für die nicht mehr sichtbaren Kontakte benötigen wir einen richterlichen Beschluss."

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