Untersuchung : Missbrauch im evangelischen Johannisstift

Am evangelischen Johannisstift in Berlin hat hat es in den letzten 35 Jahren vier Fälle sexuellen Missbrauchs oder auffälligen Verhaltens gegeben. Eine jetzt bekanntgewordene interne Untersuchung dokumentiert die Fälle eines evangelischen Erziehers, der 1987 wegen sexuellem Missbrauchs an einer 17-Jährigen zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Am evangelischen Johannesstift in Berlin hat es in den letzten 35 Jahren vier Fälle sexuellen Missbrauchs oder auffälligen Verhaltens gegeben. Eine jetzt bekannt gewordene interne Untersuchung dokumentiert die Fälle eines evangelischen Erziehers, der 1987 wegen sexuellem Missbrauchs einer 17-Jährigen zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Ein weiterer Erzieher wurde entlassen, weil er im Rotlichtmilieu verkehrte. Ebenso verlor ein angestellter Maler, der Anfang der 90er eine Beziehung mit einer Minderjährigen einging, seinen Arbeitsplatz. Unklar ist der Zeitpunkt, an dem ein Dauergast eine ältere Patientin regelmäßig zu sexuellen Handlungen nötigte.

Das Berliner Johannesstift habe heute klare Vorgaben und Richtlinien im Umgang mit Missbrauch und sexueller Nötigung, sagte Sprecher Wolfgang Kern. Die Arbeitsbereiche umfassten Alten-, Behinderten- und Jugendhilfe. „Einrichtungen wie unsere haben eine besondere Verantwortung und müssen schon in Verdachtsmomenten offensiv vorgehen“, sagt Kern. So werde beispielsweise ein Betreuer abgemahnt, wenn er einen Patienten oder ein Kind ohne Genehmigung mit nach Hause nehme.

Zu den präventiven Maßnahmen des Stifts gehören seit den 70ern ein Kinderschutzbeauftragter, regelmäßige Fortbildungen zur Sensibilisierung und Fallbesprechungen für die Mitarbeiter. Sollten sich Verdachtsfälle erhärten, würden personelle Konsequenzen gezogen und es erfolgten eine Anzeige bei den Ämtern sowie strafrechtliche Konsequenzen.

„In den 50er und 60er Jahren war die Züchtigung auch ein Erziehungsmittel“, sagt Kern. Erst durch die Reformbewegung der 70er Jahre seien pädagogische Maßnahmen auf Augenhöhe eingefordert worden. Fakten schaffen über die Geschichte des Heims soll jetzt eine Studie zur Erziehung zwischen 1945 und 1970, die im Rahmen des Runden Tisches des Deutschen Bundestages zur Heimerziehung vereinbart wurde. Eine Veröffentlichung ist für Mitte des Jahres geplant. hh

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