Unwetterbilanz : 1500 Blitze über Berlin

Elf umgeleitete Flugzeuge, 21 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, 270 Feuerwehreinsätze und 1500 Blitze: Das ist die Bilanz des Unwetters, das am Donnerstagabend über die Hauptstadt zog. Verletzte gab es zum Glück nicht.

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Foto: Julian Stratenschulte/dpa
31.07.2013 14:38Passanten suchen Schutz vor einem Unwetter in Hannover. Haben Sie auch tolle Bilder vom Unwetter? Dann schicken Sie sie uns an...

Berlin hat das gestrige Unwetter nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam relativ glimpflich überstanden. Im Schnitt fielen im Stadtzentrum 21 Liter Regen pro Quadratmeter. Die südlichen und die nordwestlichen Vororte mussten wesentlich mehr Regen ertragen: Hier kamen bis zu 30 Liter Regen pro Quadratmeter herunter. "Berlin war nicht der Hauptschwerpunkt des Unwetters", sagt Thomas Endrulat vom Wetterdienst. Die Mark Brandenburg wurde härter getroffen: So hatten die Einwohner von Wusterwitz in der Nähe von Brandenburg an der Havel 73 Liter Regen pro Quadratmeter zu verkraften.

Ungewöhnlich waren laut Endrulat die vielen Blitze, die während des Unwetters über den Himmel zuckten. Der Wetterdienst schätzt, dass es rund 1.500-mal blitzte. "Darunter waren außergewöhnlich viele Blitze mit Erdeinschlag", sagt Endrulat. Etwa die Hälfte der Blitze seien in den Boden eingeschlagen. Das Gewitter erreichte seinen Höhepunkt zwischen 22 und 23 Uhr, anschließend beruhigte sich die Lage. In dieser Zeit mussten nach Angaben der Flughafengesellschaft elf Flugzeuge umgeleitet werden, die eigentlich auf dem Flughafen Tegel landen sollten. Zwei Flüge wurden nach Hamburg umgeleitet, drei nach Hannover. Sechs Flugzeuge konnten in Schönefeld landen, nachdem das Unwetter über die südlichen Teile von Berlin hinweg gezogen war. Gegen 23.30 Uhr hob der Wetterdienst seine Unwetterwarnung auf. 

Die Berliner Feuerwehr verrichtete Schwerarbeit. Um 21.51 Uhr kam der erste Notruf, um 21.56 Uhr wurde dann der "Ausnahmezustand Wetter" ausgerufen. 600 verbeamtete und 300 freiwillige Feuerwehrleute wurden in Alarm versetzt. Bis der Ausnahmezustand gegen 1 Uhr morgens von der Feuerwehr offiziell beendet wurde, rückten die Brandbekämpfer insgesamt 270-mal aus.

Meist mussten entwurzelte Bäume und abgebrochene Äste von den Straßen geräumt werden. Auch viele Autos wurden durch umgestürzte Bäume beschädigt. Nach Angaben der Feuerwehr wurden in der Vincent-van-Gogh-Straße in Neu-Hohenschönhausen zwei Autos unter einem umgestürzten Baum begraben, in Französisch Buchholz stürzte der Anhänger eines Lastwagens um. Auch die Oberleitungen vieler Straßenbahnlinien wurden beschädigt.

Der schlimmste Zwischenfall ereignete sich in Zehlendorf, wo an der Sundgauer Straße eine S-Bahn mit einem umgestürzten Baum kollidierte. Die Bundespolizei evakuierte die Passagiere, dabei erlitt eine 20-Jährige einen Schwächeanfall.

Bei einem Blitz-Einschlag in Karow wurde das Dach eines Hauses abgedeckt.
Bei einem Blitz-Einschlag in Karow wurde das Dach eines Hauses abgedeckt.Foto: Scoopshot / Marco Paperatzo

Durch die ungewöhnlich hohe Anzahl von Blitzeinschlägen kam es an mehreren Orten zu Bränden. In Karow geriet vermutlich durch einen Blitz ein Einfamilienhaus in Brand. Die Feuerwehr rückte mit mehreren Löschfahrzeugen an und brachte den Brand unter Kontrolle.

Laut Thomas Endrulat vom Deutschen Wetterdienst ist zumindest in den nächsten beiden Wochen kein ähnlich heftiges Unwetter zu erwarten. "Kühlere Luft wird in die Region strömen und die Temperaturen werden leicht sinken, dazu gibt es eine verstärkte Wolkenbildung, die die Luft weiter abkühlt", sagt Endrulat. Natürlich könne es auch in den kommenden Tagen zu Regenfällen kommen, aber für ein Unwetter wie gestern sei warme – im Fachjargon "labile" Luft – und eine hohe Luftfeuchtigkeit Voraussetzung. Die Berlinerinnen und Berliner können also erstmal wieder auf die Gummistiefel verzichten.

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