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Wieder EC-Gerät gestohlen : Nach Diebstahl: Geldautomatenbetreiber prüft Rückzug aus Berlin

Innerhalb kurzer Zeit wurden in Berlin drei Geldautomaten eines Betreibers gestohlen, erst am Mittwoch schlugen die Täter wieder zu. Die Firma prüft nun, ob sich der Standort Berlin noch für sie lohnt.

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In den vergangenen Wochen wurden mehrere Geldautomaten gestohlen.
In den vergangenen Wochen wurden mehrere Geldautomaten gestohlen.Foto: dpa

Bereits das vierte Mal innerhalb kurzer Zeit haben Täter sich an einem Geldautomaten zu schaffen gemacht, um das Gerät zu stehlen. Dreimal ist es ihnen gelungen. Die jüngste Tat ereignete sich im Bahnhofsvorraum des S-Bahnhofs Messe Nord in Charlottenburg: Gegen 14 Uhr wurde die Bundespolizei am Mittwoch von einem Mitarbeiter der Sicherheitsfirma informiert, dass wieder ein EC-Gerät gestohlen worden war. Die Mitarbeiter hatten den Automaten zu dieser Zeit eigentlich mit Geld auffüllen wollen - er war aber längst abtransportiert. Das Landeskriminalamt der Polizei übernimmt die weiteren Ermittlungen. Auch Bilder der Überwachungskamera sollen nun ausgewertet werden. Dort, wo der Apparat stand, erinnern nur noch ein rechteckiger Abdruck am Boden und ein abgetrenntes Kabel an der Wand an die Maschine.

Die Firma Cardpoint aus Trier, welche die Geldautomaten betreibt, prüft nun, ob sie die Berliner Standorte aufgibt. "Die Schadensfälle liegen für uns zu 90 Prozent in Berlin. Das betriff die Diebstähle von ganzen Automaten genauso wie Vandalismus. Die Sachbeschädigungen an den Geräten liegen im Raum Berlin besonders hoch", sagt Andreas Raabe von der Firma Cardpoint.

In Berlin stellt das Unternehmen für eine Bank Geldautomaten auf. 18 Geräte befinden sich auf Bahngelände - etwa in Vorhallen von S-Bahnhöfen. Als erste Reaktion auf die Vorfälle, habe die Firma alle ihre Automaten an Bahnhofsstandorten entleeren lassen. Wie Raabe erklärt, sei es nicht an allen Standorten möglich, die Apparate im Boden zu verankern. In einigen Fällen sind die Geräte lediglich mit einem Spezialkleber am Boden und mit einem Kabel an der Wand befestigt.

Offenbar haben die Täter, wenn sie es geschickt anstellen, dabei relativ leichtes Spiel. Zwar denke die Firma auch über eine Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen nach, doch das sei oft nur schwer umsetzbar. Gleich viermal war das Unternehmen in jüngster Zeit betroffen, und zwar immer an Geräten, die an S-Bahnhöfen standen: Das erste Mal versuchten Kriminelle vor rund zwei Wochen, einen Apparat am S-Bahnhof Bundesplatz zu entwenden. Dazu setzten sie ein Auto und einen Transporter ein. Doch da dieser Automat im Boden verankert war, scheiterten die Diebe. Nur zwei Tage später versuchten sie es am S-Bahnhof Hohenzollerndamm. Hier gelang es ihnen, die frei stehende und nicht im Boden verankerte Maschine abzutransportieren.

In der Nacht zu Dienstag wurde ein ebenfalls nicht im Boden befestigter Automat im Untergeschoss des S-Bahnhofs Alexanderplatz abtransportiert - die Täter nahmen einen Palettenwagen für den Abtransport zur Hilfe. Videobilder der Überwachungskameras umliegender Geschäfte haben dies dokumentiert. Und nun ereignete sich dasselbe noch einmal am S-Bahnhof Messe Nord. Insgesamt ist dem Unternehmen laut Raabe ein Schaden von 130.000 Euro entstanden. Die Summe beinhalte sowohl das gestohlene Bargeld, das sich in den Geräten befand, als auch den Sachschaden. Die Firma sei zwar dagegen versichert, allerdings müsse sie den vereinbarten Selbstbehalt leisten, "und zudem steigt damit für uns auch die Versicherungsprämie". Es müssen nun betriebswirtschaftlich abgewogen werden, ob sich der Standort Berlin weiterhin lohnt.

In den beiden jüngsten Fällen haben die Mitarbeiter der Wartungsfirma erst etliche Stunden nach den Diebstählen mitbekommen, dass das Sicherheitssignal, das der Apparat regelmäßig aussendet, abgebrochen war. "Wir müssen noch prüfen, warum es eine zeitliche Verzögerung gab", sagt Raabe.

Die LKA-Ermittler prüfen nun Verbindungen zwischen den Taten. Auf Betreiberseite vermutet man eine organisierte Bande, die sich auf diese Delikte spezialisiert hat. "Sie stehlen die Automaten, um sie in irgendeiner Werkstatt in Ruhe aufzuschweißen und an das Bargeld zu gelangen", sagte ein Ermittler dem Tagesspiegel. Viele Kunden sorgen sich nun, dass mit dem Diebstahl ganzer Automaten auch die persönlichen Kontodaten in die Hände Krimineller geraten. Dazu sagte Andreas Raabe: "Lesbare Kundendaten werden nicht auf dem Gerät gespeichert, sondern in der Rechenzentrale". Dies sei bei deutschen Geldautomaten seit 2007 so vorgeschrieben, damit es möglichst nicht zu einem Missbrauch der Daten kommen kann.

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