Rennen ums Rote Rathaus in Berlin : Die SPD sucht den Bürgermeister - und findet noch keinen

Die drei Kandidaten der Berliner SPD trauen sich noch nicht in den Wahlkampf gegeneinander - statt sich voneinander abzuheben, heben sie sich gegenseitig auf. Ein Kommentar.

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Die Drei von der Dankstelle: Müller, Saleh und Stöß (von links) sind bisher zu nett zueinander.
Die Drei von der Dankstelle: Müller, Saleh und Stöß (von links) sind bisher zu nett zueinander.Foto: dpa

Nicht nur Willy Brandt musste stehen. Auch viele andere hundert Genossen drängten sich in der SPD-Zentrale in Berlin-Kreuzberg, um drei Männern zuzuhören, warum sie Regierender Bürgermeister von Berlin werden wollen. Michael Müller, Raed Saleh und Jan Stöß stellten ihre Programme beim ersten Mitgliederforum vor und übten sich auf der Bühne in Gelassen- und Gemeinsamkeit.

Schließlich soll auf gar keinen Fall der Verdacht aufkommen, hier kämpften drei unterschiedliche SPDs gegeneinander um das Rote Rathaus. Das Problem an solcherlei Harmonie ist nur: Die Kandidaten für die Nachfolge Klaus Wowereits gewinnen so kaum an Profil und Schärfe. Beides aber brauchen sie zumindest als Regierender Bürgermeister.

Raed Saleh punktet mit seiner Biografie

Nach der ersten öffentlichen Runde ist die Botschaft der Kandidaten an ihre Partei: Es war ein netter Abend. Und inhaltlich scheinen die Argumente fast schon ausgetauscht. Stadtentwicklungssenator Michael Müller setzt auf seine Erfahrung, die Verlässlichkeit versprechen soll - und darauf, dass er in der Stadt und in seiner Partei schon fast alles erlebt (und auch überlebt) hat. Fraktionschef Raed Saleh punktet mit seiner Biografie eines Aufsteigers vom Burgerbrater aus einfachen Verhältnissen zum möglichen ersten Bürgermeister mit Migrationshintergrund. Und Parteichef Jan Stöß wirbt mit neuen Investitionen in eine wachsende Stadt, wirkt bei aller Klugheit aber ein wenig wolkig, weil im praktischen Regierungshandeln noch nicht erfahren. Zu einem Dreikampf der Visionen reicht dies alles noch nicht aus.

Spannend wird wohl erst eine Stichwahl

Der Eindruck nach den ersten Interviews und Veranstaltungen sowie den Bewerbungsreden im SPD-internen Wahlkampf ist nach außen: Bisher heben sich die drei Kandidaten für das Rote Rathaus nicht genügend voneinander ab. Wenn sie weiter so kuschelwahlkämpfen, heben sie sich sogar gegenseitig auf. Dann wird es wohl erst spannend, wenn es zu einer Stichwahl kommt.

Unseren Liveblog vom ersten Mitgliederforum lesen Sie noch einmal hier.

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