S-Bahn-Chaos : Mitarbeiter vieler Unternehmen kommen zu spät

Auch die Wirtschaft leidet unter dem Chaos bei der Berliner S-Bahn, viele Unternehmen wissen nicht, wie sie mit zu spät kommenden Mitarbeitern umgehen sollen. Die IHK fürchtet um den guten Ruf Berlins.

von und Marie Dewitz

Überfüllte Züge, Verspätungen oder gar kein S-Bahnverkehr: Der Arbeitsalltag vieler Unternehmen in Berlin und Brandenburg wird durch diese Bedingungen eingeschränkt. Kammern und Wirtschaftsverbände fordern von der Bahn deshalb ein besseres Krisenmanagement. „Es gibt viele Unternehmen, die sich beschweren und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, dass viele ihrer Mitarbeiter zu spät kommen“, sagt Bernhard Schodrowski, Sprecher der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK). Firmenchefs befürchteten außerdem einen höheren Krankenstand, da die Ansteckungsgefahr in überfüllten Zügen und Ersatzbussen sehr hoch sei.

Besonders betroffen sind Firmen in den vom S-Bahnverkehr abgeschnittenen Orten. Bei der Brahms AG etwa, einem Pharmaunternehmen in Hennigsdorf, ist die Stimmung unter den Mitarbeitern schlecht, heißt es im Unternehmen. Viele Mitarbeiter besitzen kein Auto, sie müssen deshalb auf die langsamen Busse umsteigen und kommen zu spät zum Arbeitsplatz – und das bedeutet wie in vielen Unternehmen auch einen späteren Feierabend. Nur so aber werde der Produktionsprozess aufrecht erhalten.

IHK-Sprecher Schodrowski glaubt, dass das S-Bahnchaos die Wirtschaft nicht nur vorübergehend hemme: Der Standort Berlin werde beschädigt. Ein Industriezweig, der die Folgen besonders spüren könnte, ist die Verkehrstechnik. Menschen könnten die Schwierigkeiten der S-Bahn mit der gesamten Branche in Verbindung bringen. In Berlin sind mehr als 100 Unternehmen mit etwa 20 000 Angestellten in der Schienenverkehrstechnik tätig. Doch noch bleibt die Branche gelassen: Der Ruf werde durch das Chaos nicht beschädigt, glaubt eine Sprecherin des Unternehmens Stadler aus Pankow. Und auch der Sprecher von Bombardier sorgt sich nicht um die Auftragslage. Sein Unternehmen habe die Berliner S-Bahnen zwar hergestellt, für die Wartung aber sei die Bahn verantwortlich.

IHK-Sprecher Schodrowski hingegen ist sich sicher: „Die Ausfälle bei der S-Bahn sind schlechte Werbung für Berlin.“ Für Unternehmer, die überlegen, ob sie sich in der Stadt ansiedelten, sei die derzeitige Verkehrssituation ein Nachteil. „Wenn ich als Firmenchef weiß, dass es bestimmt auch im nächsten Winter wieder Probleme mit der S-Bahn geben wird, dann überlege ich mir gut, ob ich hier etwas aufbaue.“

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