Scharf gewürzte Wetterküche : Vom Rekordmärz zum Aprilwetter

Zu trocken und zu warm: Fast wäre auch der März ein Rekordmonat geworden. Häufen sich die Extreme oder schauen wir nur genauer hin?

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Der April beginnt sogleich mit einem heftigen Kälteeinbruch. Das wechselhafte und nasskalte Wetter bleibt uns noch eine Weile erhalten.Alle Bilder anzeigen
Foto: dapd
31.03.2012 18:44Der April beginnt sogleich mit einem heftigen Kälteeinbruch. Das wechselhafte und nasskalte Wetter bleibt uns noch eine Weile...

Der Regen mischte sich mit Graupel, als sich am Sonnabend der trockenste Berliner März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen seinem Ende neigte. Die Schauer am Nachmittag schwemmten quasi im letzten Moment den Dürrerekord von 1921 – nur sechs Liter pro Quadratmeter im ganzen Monat März – weg. Die Chance auf den Wärmerekord hatte der März 2012 schon mit dem Kälteeinbruch am Donnerstag vergeben: Die 1938 gemessenen acht Grad im Monatsmittel, also inklusive der Nachttemperaturen, wurden um 0,6 Grad verfehlt. Was aber bleibt, ist das Gefühl, dass sich die Rekorde häufen. Gibt es tatsächlich ständig neue Extreme da draußen, oder häufen sich eher die einschlägigen Meldungen?

Diese Frage bewegt auch Jörg Riemann, und zwar sowohl dienstlich in seinem Büro beim Wetterdienst Meteogroup an der Gradestraße als auch privat, aus Leidenschaft. Das Berliner Standardwetter besteht für den Meteorologen aus Tiefs über dem Nordmeer und dem Nordatlantik sowie einem Hoch über den Azoren. Fertig ist die „Westlage“, die in Berlin an etwa 70 Prozent aller Tage herrscht. Die häufige Verteilung dieser Druckgebiete ergibt sich aus Sonneneinstrahlung und Erdrotation. Für Temperaturrekorde taugt sie nicht. Sie kann höchstens Stürme bringen, wenn die Druckunterschiede allzu groß werden. Im Winter geht das leichter als im Sommer, weil die Temperaturen über Europa im Winter unterschiedlicher sind: Minus 40 Grad in Lappland und 20 am Mittelmeer – da ist Musike drin. „Orkane mit mehr als 150 km/h sind aber nicht möglich“, sagt Riemann. Stärkere Luftdruckunterschiede lasse die Erdrotation nicht zu.

Eisige Zeiten herrschten noch im Februar:

So bibbert Berlin
Stadtreinigung im Einsatz am Heinrich-Heine-Platz in Mitte. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie uns Ihre Berliner Winterfotos an leserbilder@tagesspiegel.deWeitere Bilder anzeigen
1 von 104Foto: Friedrich Zimmermann
21.02.2012 18:43Stadtreinigung im Einsatz am Heinrich-Heine-Platz in Mitte. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie uns Ihre Berliner...

Für die kurzlebigen, lokalen Tornados gelten andere Kriterien. Dass die bei uns so selten sind, verdanken wir laut Riemann den Alpen. Sie trennen feuchtheiße Mittelmeerluft von arktischer Kälte. In Amerika fehle ein solches „quer liegendes“ Gebirge, so dass Wirbelstürme von der Karibik freie Bahn nach Norden hätten. Weil stattdessen die Rocky Mountains eine Barriere zum ausgleichenden Ozean bilden, schwankt dort die Temperatur viel stärker als bei uns. Für besondere Hitze oder Kälte muss die Luft vom Festland kommen. So wie im Februar, als ein riesiges Hoch über Skandinavien und Russland den Frostwind direkt aus Sibirien zu uns blies. Unterwegs erwärmte sich die Luft immerhin von minus 50 auf etwa minus 20 Grad. „Viel kälter kann es in Berlin nicht werden“, sagt Riemann. „Dazu sind wir zu nahe am Atlantik.“

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