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Exklusiv: Jedes dritte Kind wird nicht mehr im Kiez eingeschult

17.12.2012 09:32 Uhrvon
Besonders Familien mit hohem Bildungsstandard suchen sich die Schule für ihren Nachwuchs lieber selbst aus.Bild vergrößern
Besonders Familien mit hohem Bildungsstandard suchen sich die Schule für ihren Nachwuchs lieber selbst aus. - Foto: dpa

Berlins Eltern werden immer wählerischer: Mehr als jedes dritte Kind besucht inzwischen nicht mehr die Grundschule, in deren Einzugsgebiet es wohnt. Die Gründe sind verschieden.

Eine Umfrage des Tagesspiegels in allen Bezirken hat ergeben, dass je nach Region inzwischen 20 bis über 50 Prozent der Erstklässler an ihrer zuständigen Grundschule abgemeldet werden. Sie besuchen stattdessen eine andere staatliche oder freie Schule. Angesichts einer Gesamtzahl von rund 27 800 Erstklässlern haben die Schulämter es also mit nahezu 10 000 Wechselwünschen zu tun.

Die Gründe für die Ummeldungen variieren: Mal ist es die Flucht vor einer sozial brisanten Schülermischung, oftmals ist es aber auch ein besonderes Schulprofil, das die Familien interessiert, betont Roger Gapp vom Schulamt Tempelhof-Schönefeld.

Die Eltern wünschen dann etwa eine staatliche Europaschule für ihr Kind oder Französisch als erste Fremdsprache.

Andere Eltern wechseln, weil sie ein Ganztagsangebot wünschen – oder es umgekehrt ablehnen. Wenn Eltern wünschen, dass die Kinder am Nachmittag zum Beispiel noch bestimmte Musik- oder Sportaktivitäten wahrnehmen, lehnen sie unter Umständen eine gebundene Ganztagsschule mit ihrem Pflichtangebot bis 16 Uhr ab. „Unsere Ganztagsschulen werden nicht so gut angenommen“, bedauert denn auch der Bildungsstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Peter Beckers (SPD). In seinem Bezirk wollen sich inzwischen 40 Prozent der Familien nicht mit der Grundschule im eigenen Kiez zufriedengeben – im Ortsteil Kreuzberg liegt die Quote bei 42, in Friedrichshain bei 37 Prozent.

Wie eine Studie des Migrationsrates kürzlich ergab, führt das Wechselverhalten inzwischen dazu, dass nur noch ein Bruchteil der Grundschulen die umliegende Bevölkerungsstruktur abbildet. Es gibt demnach Grundschulen, deren Migrantenanteil zwei, drei oder sogar fünf Mal höher oder niedriger liegt als in der direkten Nachbarschaft.

In den sozialen Brennpunkten ist die Wechselquote der bildungsnahen Schichten mit und ohne Migrationshintergrund besonders hoch. Hingegen weiß ein Großteil der bildungsfernen Familien nicht einmal, dass es diese Wechselmöglichkeit überhaupt gibt. Da der Anteil der bildungsfernen Familien unter den Zuwanderern größer ist – das ergeben jedes Jahr die Einschulungserhebungen der Gesundheitsämter –, wissen unter ihnen auch wesentlich weniger, dass sie eine Wahlmöglichkeit haben. Ihre Quote liegt bei weit über 50 Prozent. Auch dies hatte der Migrationsrat herausgefunden.

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