Schule : 121 149 Verkehrsunfälle – 121 149 zu viel

Die Ursachen, die Folgen: Die Dekra wirbt um Einsicht aller, die in Berlin auf der Straße unterwegs sind

Kerstin Heidecke

Es ist nur ein Moment. Aber er kann das ganze Leben verändern. Man mag das nicht hören, verständlicherweise, verdrängt Bilder, liest über Schicksale hinweg. Bloß nicht daran denken, man selbst könnte Opfer oder Verursacher eines Verkehrsunfalls werden. Und doch: Jeden kann es treffen. So heißt auch die Ausstellung von Ina Kutscher, selbst Opfer eines schweren Verkehrsunfalls. Eindrucksvoll dokumentiert Kutscher Schicksale, zeigt Porträts und lässt Betroffene zu Wort kommen – die Unfallopfer, die Helfer, Hinterbliebene, Verursacher.

Die Ausstellung ist vom 12. bis zum 30. Juni in der Dekra-Niederlassung Hohenschönhausen zu sehen und ergänzt das Programm zum Tag der Verkehrssicherheit, zu dem die Dekra am 17. Juni von neun bis 14 Uhr in ihre Niederlassungen Reinickendorf, Hohenschönhausen und Tempelhof einlädt. Anlass ist der Tag der Verkehrssicherheit, den der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) zielgerichtet vor Beginn der Hauptreisezeit initiiert hat. „Wir wollen den Tag nutzen, um das Bewusstsein für Gefahren im Straßenverkehr zu schärfen“, so Lothar Titel, Leiter der Hohenschönhausener Dekra-Niederlassung. Zudem hätten immer mehr Fahrzeuge technische Mängel. Weil dadurch häufig Unfälle mitverursacht werden, bietet die Dekra am 17. Juni kostenlose Fahrzeugchecks an. Autofahrer aus Berlin und Brandenburg können hier sicherstellen, dass ihre Wagen fit für die Reise in die Ferien sind.

Die Polizei, der ADAC, der Automobilclub Verkehr (ACV), die Verkehrslenkung des Senats, das Bezirksamt Lichtenberg und die Landesverkehrswacht unterstützen die Aktion der Dekra. Sie bieten Geschicklichkeitstests und Fahrradparcours für Kinder, Radwechselkurse und Sehtests. Wer wissen will, wie es sich mit 0,8 Promille im Blut fährt, kann im Drogensimulator die verzögerte Reaktion und den Tunnelblick erleben.

Auch wenn die Zahl der Verkehrsunfälle seit Jahren rückläufig ist, gab es jedoch eine steigende Zahl von Unfällen, bei denen Menschen verletzt wurden. So standen 121 149 in Berlin registrierten Verkehrsunfällen im Jahr 2005 im Jahr zuvor noch 125 087 gegenüber. Aber: Die Zahl der Unfälle mit Personenschäden hat 2005 leicht zugenommen.

Auch deshalb haben die Verkehrsexperten der Dekra für den 17. Juni auch Kollegen der Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF) eingeladen, die verkehrsmedizinische und –psychologische Gespräche führen. Die Psychologen haben unter anderem die Aufgabe, die Risikobereitschaft bereits auffällig gewordener Fahrer zu prüfen. „Eine verantwortungsvolle Tätigkeit“, so Carsten Bräuer, Chef der Dekra-Niederlassung in Reinickendorf, „man wird dem nicht gerecht, wenn man das auf den so genannten Idiotentest reduziert“. So prüfen die BfF’ler auch, ob etwa ein trockener Alkoholkranker noch ausreichende sensorische Fähigkeiten besitzt.

Eine steigende Verkehrsdichte und ein höheres Geschwindigkeitsniveau erfordern ohnehin immer mehr Reaktionsschnelligkeit von allen Verkehrsteilnehmern. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung wird zunehmend auch die körperliche Fitness der älteren Autofahrer zum Thema.

Verkehrsorganisationen und -verbände, darunter auch die Dekra, haben sich in einer europaweiten Charta vorgenommen bis zum Jahr 2010 – ausgehend von den 2000er Zahlen – die Zahl der tödlichen Unfälle zu halbieren. „ABS, ESP und Airbags haben unsere Autos sicherer gemacht. Wir können nicht mehr so schnell im Auto sterben. Aber wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, unverwundbar zu sein“, so Bräuer. Fast immer wirkten bei einem Unfall mindestens zwei Ursachen: ein defektes Fahrwerk in Verbindung mit einer durchlöcherten Straße. Oder ein übermütiger Fahrer in Verbindung mit Alkohol oder Drogen.

So gehören auch zur Verkehrssicherheit mehrere Faktoren; der technische Zustand des Fahrzeugs, der Zustand der Straßen, das Verhalten der Fahrer. „Gerade bei jungen ungeübten Fahrern kommen überproportional oft PS-starke, aber alte Fahrzeuge mit erheblichen technischen Mängeln ins Spiel. Sie sind dann mit einem Geschoss unterwegs, das sie nicht beherrschen können, und das technisch nicht sicher ist.“

Unfälle werden am meisten begünstigt, wenn jeder Verkehrsteilnehmer auf seinem Recht besteht, glaubt Bräuer. „Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, dass alle Verkehrsteilnehmer sich akzeptieren und die Stärken und Schwächen des anderen kennen.“

Anmeldungen für den Pkw-Sicherheits-Check sind unter der Telefonnummer 01 80/20 99 möglich.

Mehr zur Ausstellung „Jeden kann es treffen“ gibt es im Internet unter

www.jeden-kann-es-treffen.de

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