Schule : Abgefahren

In Lüdenscheid verwandeln Künstler Parkplätze und Parkhäuser in einen „Kunst-Drive-in“

Deike Diening

Während sich zur IAA in Frankfurt ab nächster Woche wieder die Motor-Enthusiasten in stickigen Messehallen drängeln, werden die Menschen in Lüdenscheid ein paar entspannte Tage in den Parkhäusern ihrer Stadt verleben. Klingt komisch? Vom 16. bis 25. September stehen die Parkplätze und Parkhäuser der Stadt unter dem Einfluss von Künstlern, Designern und Lichtgestaltern, die die unwirtlichen Parkhäuser in einen „Kunst-Drive-In“ verwandeln wollen. Das nennen sie dann „Parklandschaften“.

Es gibt einen Wettbewerb für Autoradio-DJs, Kinder können im Parkhaus auf Bobby-Cars Wettrennen fahren, Parkplätze werden der Ort für Installationen renommierter Künstler wie etwa Christian Boltanski, man kann ein Spielzeugauto-Rennen bestreiten oder sich im „Truck-Stop“ die Ausstellung „AutoBiographien“ ansehen: Dort hängen Fotos von Lüdenscheidern, die eine außergewöhnliche Beziehung zu ihrem Auto pflegen. Zu Country-Musik wird nebenan Autoquartett gespielt.

Das Parkhaus, sagen die Künstler, übernimmt die Funktion des modernen Stadttors. Es ist der erste Eindruck, den Fremde, die mit dem Auto kommen, von einer Stadt gewinnen. Anders als Bahnhöfe jedoch haben Parkhäuser nichts Prachtvolles. Die Ankunft in einem Parkhaus ist im Gegenteil schnöde und findet meist im Halbdunkel statt. Das wollen sie ändern.

Häufig geht es aber bei den Aktionen der Künstler nicht um die Huldigung, sondern um das Verschwinden des Autos: Vier entkernte, vom Kleingartenverein als Grünbiotope bepflanzte Autokarosserien sind in der Stadt verteilt. In der Tiefgarage der Sparkasse, umgebaut zu einem Wohnzimmer unter Tage, wird Hausmusik gemacht, und die Zuhörer lümmeln sich auf Sofas.

Selbst Falsch-Parken bleibt in diesen Tagen ungefährlich: Die Politessen der Stadt Lüdenscheid sammeln während der zehn Tage „Parklandschaften“ die schönsten Ausreden von Parksündern – und klemmen sie den Autofahrern statt eines Knöllchens an die Scheiben.

Mehr Informationen zum Programm unter www.parklandschaften.com

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