Abitur mit 1+ : Vom Außenseiter zum Spitzenreiter

26.06.2012 14:26 UhrVon

Nach Empfehlung seiner Lehrer hätte Yigit Muk die Hauptschule besuchen sollen. Jetzt hat er das beste Abi seit Gründung der Kant-Oberschule absolviert und will Wirtschaft studieren.

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Yigit Muk ist der beste Schüler seines Jahrgangs. - Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Am Ende des Tages hatte Yigit Muk Schmerzen in den Wangenknochen. Mit drei glatten Einsen und zwei Mal Eins-Plus ist er der beste Abiturient der Privaten Kant-Oberschule in Steglitz seit ihrer Gründung vor über 50 Jahren. Eigentlich wäre es ein Durchschnitt von 0,9, meint er, aber den gibt es ja nicht. Das Engagement habe sich gelohnt, hätten seine Lehrer bei der Abschlussfeier gesagt. Seines und ihres. „Ich konnte die ganze Zeit nur grinsen“, erzählt der 24-Jährige. Dass Muk überhaupt Abitur macht, war nicht immer so klar.

Seine Schulzeit war geprägt von Auf und Ab: Den ersten Tag an einer Grundschule in Neukölln hat er als spielerisch in positiver Erinnerung. Später war Schule oft langweilig, die Leistungen nicht so gut. Die 3. Klasse soll er wiederholen. Auf dem Zettel zur Schulempfehlung ist „Hauptschule/Gesamtschule“ angekreuzt. Die Mutter setzt sich dafür ein, dass Muk auf eine bessere Realschule im Bezirk kommt. In der 9. Klasse merkt er, dass er sich anstrengen muss und wird prompt Klassenbester. Doch auf die guten Ergebnisse folgt eine schwere Krankheit. Lange Fehlzeiten führen zu Lücken, dazu kommen Konflikte mit einem Lehrer. Mit 18 Jahren macht er den Hauptschulabschluss – mit einem Schnitt von 4,9.

„Manchmal lernen Kinder in bestimmten Phasen schlecht", meint Özcan Mutlu, Diplomingenieur und seit 1999 bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Er setzt auf Beispiele wie das von Yigit Muk, damit auch andere Schüler mit ähnlicher Vorgeschichte Mut schöpfen, um noch einmal durchzustarten. Wenn die Schule oder die Lehrer in schwierigen Situationen nicht im Verständnis reagieren, sondern die Kinder abstempeln, dann kann es passieren, sagt Mutlu, dass auch ein sehr talentiertes Kind keine Lust mehr auf Schule hat. Ein ganzes Leben lang. Mutlu, geboren 1968, hatte auch nur eine Hauptschulempfehlung bekommen, besuchte eine Kreuzberger Hauptschule, traf dort auf engagierte Lehrer, die mit ihm am privaten Computer in der Schule programmierten, mit ihm über das Sonnensystem diskutierten und neue Perspektiven aufzeigten.

Nicht jeder habe aber das Glück, den richtigen Lehrer zur richtigen Zeit zu treffen und wieder den Kick zu bekommen, sich zu sagen „Jetzt packe ich das an.“' Dazu bedürfe es einer Reform der Lehrerausbildung, so Mutlu, damit zukünftige Pädagogen Schüler individueller fördern können, interkulturelle Kompetenzen besitzen und im Umgang mit neuen Medien und neuen Lernmethoden fit sind“.

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