Schule : Aufregung um neuen Leiter an Lichtenberger Schule

Hans S. soll Kinder in Tempelhof monatelang schikaniert und beschimpft haben. Nun wird er versetzt

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Die Adam-Ries-Grundschule in Lichtenberg stand gestern unter besonderer Beobachtung. Hans S., ehemaliger Schulleiter an der Lindenhof-Grundschule in Schöneberg, soll dort nach Pfingsten als neuer Schulleiter beginnen. Der noch amtierende Schulleiter arbeitet ihn bereits ein – was bei einigen Eltern Aufregung auslöst. Denn Hans S. hatte die Lindenhof-Grundschule nach nur einem Dreivierteljahr wieder verlassen, weil die Eltern dort schwerwiegende Vorwürfe gegen ihn vorbrachten. So wurde der 55-Jährige beschuldigt, die Schüler offen beschimpft zu haben: als „Dummköpfe“ oder „Hohlköpfe“. Einige Schüler hatten sogar von Schlägen auf den Hinterkopf berichtet. Wie kann es sein, fragen sich nun einige Eltern in Lichtenberg, dass ein Schulleiter, gegen den derartige Vorwürfe im Raum stehen und gegen den eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht wurden, einfach in einen anderen Bezirk versetzt wird?

„Es gab keine so schwerwiegenden Gründe, ihn des Amtes zu entheben“, sagt der Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Jens Stiller. Hans S. habe sich freiwillig versetzen lassen, ein Disziplinarverfahren gegen ihn habe es nicht gegeben. Zwar habe es Dienstaufsichtsbeschwerden gegeben, allerdings keine, die die schweren Vorwürfe der Körperverletzung untermauern konnten. „Für die massiven Vorwürfe lag keine Anzeige vor. Sonst hätten wir Ermittlungen aufgenommen“, sagt Stiller. Eine Strafanzeige ist bei der Staatsanwaltschaft nicht eingegangen.

Janine Brock, stellvertretende Vorsitzende der Elternvertretung in der Adam-Ries-Grundschule, will den neuen Schulleiter auch nicht vorverurteilen. „Ich habe ein sehr nettes Gespräch mit ihm geführt und erst einmal keine Bedenken“, sagt Brock. „Ich bin auch Mutter, ich weiß, wie schnell Eltern überreagieren.“ Die Elternvertreterin verweist darauf, dass nicht alle Eltern in Schöneberg gegen Hans S. opponiert hätten.

Anders sieht das Doreen Kröber, Gründerin des Netzwerks Förderkinder und stellvertretende Vorsitzende des Bezirkselternausschusses in Lichtenberg. Sie hat sich bei Eltern in Schöneberg umgehört und seither versucht, Hans S. als Schulleiter in Lichtenberg zu verhindern. Die Adam-Ries-Grundschule hat einen Förderschwerpunkt Autismus und betreut seit drei Jahren autistische Kinder in Kleinstklassen von sechs bis acht Schülern. „Ich hatte gehofft, dass er nicht ausgerechnet an die Adam-Ries-Grundschule kommt“, sagt Kröber. Nun hoffe sie, dass sich die Ereignisse aus Schöneberg nicht wiederholen. Dort war es vor allem der Ton, den der Schulleiter in die Lindenhof-Grundschule brachte, der einen Großteil der Eltern gegen ihn aufgebracht hatte. „Das Vertrauensverhältnis war offenbar nachhaltig gestört“, sagt Jens Stiller. Solange keine Strafanzeige gegen den Schulleiter gestellt wird, werde die Senatsverwaltung jedoch nicht weiter gegen ihn vorgehen, hieß es gestern.

Das Gleiche gilt auch für Schulrat Helmut R., der mit dem Fall in Schöneberg betraut war und der aufgrund der Ereignisse in der Lindenhof-Grundschule ebenfalls um Versetzung gebeten hatte. Seinem Wunsch wurde stattgegeben, er ist nun Schulrat in Treptow-Köpenick. Helmut R. hatte die Schüler ohne Information der Eltern aus dem Unterricht geholt und einzeln oder in Gruppen befragt, nachdem eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Hans S. bei ihm eingegangen war. Auch gegen Helmut R. wurden mehrere Dienstaufsichtsbeschwerden eingereicht, ein Disziplinarverfahren wurde jedoch nicht eröffnet. Aus dem gleichen Grund wie bei Hans S.: Die Vorwürfe reichten dafür nicht aus.

Mit einer Strafanzeige aus Tempelhof-Schöneberg ist nun auch nicht mehr zu rechnen. Denn im Bezirk und an der Lindenhof-Grundschule ist man froh, dass die Angelegenheit hier beendet ist. Derweil hofft man in Lichtenberg, dass sich die Aufregung, die mehr als ein halbes Jahr in Schöneberg herrschte, nun nicht an der Adam-Ries-Grundschule wiederholt. Anke Myrrhe

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