Bildungsreform : An den neuen Sekundarschulen sind noch 2000 Plätze frei

Nach Ende der Anmeldefrist müssen die Schulämter Kinder jetzt umverteilen. Die Nachfrage an Gymnasien ist gestiegen: In vier Bezirken reichen die Kapazitäten nicht.

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Am Freitag endete die Anmeldefrist für die weiterführenden Schulen, an denen im kommenden Schuljahr die Bildungsreform umgesetzt wird. Die mit Spannung erwartete Zwischenbilanz liegt nun vor und zeigt, dass die Gymnasien sich trotz der Diskussion um das „Turbo-Abitur“ nach zwölf Jahren weiter großer Beliebtheit erfreuen. Sie verzeichnen einen Bewerber-Anstieg. Insgesamt haben sich rund 45 Prozent der künftigen Siebtklässler an einem Gymnasium beworben. Im Vergleich zu den Vorjahren könne man aber nicht von einem Ansturm auf die Gymnasien sprechen, betonte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) gegenüber dem Tagesspiegel. Auch die neuen Integrierten Sekundarschulen würden offenbar gut angenommen.

Der Blick in die Bezirke zeigt große Unterschiede beim Anmeldeverhalten. In vier Bezirken – Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Neukölln – reichen die Gymnasialplätze nicht aus, während sechs Bezirke freie Kapazitäten haben. Übernachfrage gibt es auch an etlichen Sekundarschulen, und zwar vor allem an den bisherigen Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe: So führt die große Beliebtheit der Gustav-Heinemann- und Sophie-Scholl-Schule dazu, dass der Bezirk Tempelhof-Schöneberg 35 Prozent mehr Anmeldungen als Plätze für Sekundarschulen hat.

Wie erwartet bereiten einige Sekundarschulen große Probleme - vor allem jene, die bisher Hauptschulen waren. An einigen Standorten reichen die Anmeldungen nicht einmal aus, um die Hälfte der Plätze zu füllen. Dies bedeutet, dass die Schulämter im großem Stil Schüler „zuweisen“ müssen, die andernorts keine Plätze gefunden haben. Das ist allerdings kein neues Phänomen. Ob nicht nachgefragte Schulen auf die Dauer geschlossen werden sollten, wollte Zöllner nicht sagen. Damit müssten sich „die Bezirke beschäftigen“. Er hätte sich von ihnen von vornherein „mehr Mut zu Zusammenlegungen gewünscht“, fügte der Senator hinzu.

Da die Anmeldefrist für die Oberschulen erst am gestrigen Freitag ablief, konnten noch nicht alle Bewerbungen ausgewertet werden. Rund fünf Prozent stehen noch aus. Nach bisherigem Stand gab es für die knapp 14 000 Plätze an den Sekundarschulen knapp 12 000 Anmeldungen. Bei den Gymnasien waren es knapp 10 000 Anmeldungen für 10 240 Plätze. Dies entspricht einer Gymnasialquote von 45 Prozent. Bedenkt man dazu, dass knapp 2000 Schüler schon nach Klasse 4 aufs Gymnasium wechseln, ist die Gymnasialquote pro Jahrgang insgesamt allerdings etwas höher als in den Vorjahren.

Die FDP-Bildungspolitikerin Mieke Senftleben nannte es erfreulich, dass sich so viele Familien trotz der Belastungen des „Turbo-Abiturs“ für den gymnasialen Bildungsgang entschieden. Es sei aber eine „Frechheit“, wenn Rot-Rot davon spreche, dass die Sekundarschulen „gut angenommen“ würden, wenn sie doch wüssten, dass es nach Wegfall der Realschulen anderweitig keine Alternative gegeben habe. In den letzten fünf Realschulen, die es dieses Jahr noch gibt, blieben allerdings etliche Plätze frei.

CDU-Bildungspolitiker Sascha Steuer kritisierte, die Verwaltung „verschleiere“Veränderungen beim Anmeldeverhalten, indem sie keine präzisen Vergleichszahlen zum letzten Jahr liefere. Er forderte den Senator auf, „alle Zahlen sofort vorzulegen“. Dazu gehöre auch darzulegen, wie viele Anmeldungen an bisherigen Hauptschulstandorten eingegangen seien. Eine Verschleierung helfe niemandem.

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