Schule : Der Traum der frühen Jahre

Die Freunde der Kreidler-Florett treffen sich in Seeburg bei Berlin

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Am nächsten Wochenende werden in Seeburg wenige Kilometer südlich von Staaken, wieder blaue Fahnen wehen. Denn die Kreidler-Freunde haben zu ihrem 4. Internationalen Treffen eingeladen, zu dem vom 16. August an wieder Hunderte von Liebhabern der Zweitakttechnik anrollen werden. Kreidler, der ist vor allem jenen bekannt, die in den 50er bis 80er Jahren mit ihrer motorisierten Fortbewegung begonnen haben.

Nicht jeder konnte sich freilich ein solches Gerät leisten, galt es doch als „Mercedes“ unter den Mopeds und Kleinkrafträdern. Und so blickte man doch etwas neidisch von seiner Zündapp, NSU, Sachs, Rabeneick, DKW oder Puch auf den Nachbarn, der mit einer „Florett“ unterwegs war. Es waren die frühen 60er, also noch bevor das sonore Viertaktbrummen etwa der Honda („SS 50“) anfing, die Akustik auf den Straßen zu ändern. Immerhin hielt Kreidler im Gegensatz zu etlichen anderen Konkurrenten jener Jahre lang durch, bis ins Frühjahr 1981.

Kreidlers Metallwerk wurde zwar schon 1903 gegründet, es befasste sich aber anfangs mit Kupferdrähten und ihrer Verarbeitung. Die Planung für eine Zweiradproduktion hatte1949 begonnen. Und 1951 wurde die K 50 auf dem Genfer Salon präsentiert –. ein Moped mit 2,2 PS, dem Aussehen nach durchaus zeitgenössisch: fast ein Fahrrad mit weitem Durchstieg und Blasentank, wie die NSU Quickly noch lange später.

Die K 51 freilich, schrieb Motorrad- und Verordnungsgeschichte. Denn sie war 1954 der Grund für den Gesetzgeber, Kleinkrafträder als eigene Klasse einzuführen. An der Leistung hatte sich nichts geändert, aber nun gab es keine Pedale mehr, sondern „richtige“ Fußrasten und einen Kickstarter. Parallel dazu gab es in jenem Jahr (bis 1956) auch einen Roller, mit dem etwa der Journalist Günter Markert um die Welt fuhr. Aber der war so teuer, dass er nur selten gekauft wurde.

Überspringen wir die Baureihen Junior und Amazone, kommen wir gleich zur „Florett“, die 1956 auf der IFMA in Köln präsentiert wurde. Drei Pferde schnaubten hier unter der Gebläsehaube, der Blechpressrahmen leuchtete rot. Erst die Florett von 1960 kam mit der Sitzbank daher, die einen bequemen Ausflug zu zweit ermöglichte. Da brachten die 50 Kubik auch schon 3,6 PS. Mehr als 66 000 Stück wurden gefertigt.

Bei Kreidler gab es damals große Steigerungsraten, während sie im „großen“ Motorradbau bereits sanken. Hatten die Deutschen anfangs aus finanziellen Gründen auf zwei Räder setzen müssen, reichte das Geld mit dem Wirtschafts„wunder“ bald auch für einen Kabinenroller, später sogar für den Käfer oder Opel Kadett. Kreidlers Kundschaft jedoch wurde jünger. Nun waren es vor allem Lehrlinge und Berufsanfänger, die trotz knapper Kasse mobil werden wollten.

Und so blieb es die 60er und 70er Jahre hindurch. Zwar wuchs die japanische Konkurrenz, während der deutschen langsam die Luft ausging. Kreidler aber baute immer stärkere Fahrzeuge, die auch wegen ihrer Rennerfolge so interessant blieben, dass sie in der Käufergunst mithalten konnten. Bis zum Beginn der 80er Jahre, jedenfalls.

Das Unternehmen in Kornwestheim bei Stuttgart gibt es daher schon lange nicht mehr. Der Markenname jedoch ging an eine Firma, die von 1986 an in Rheda-Wiedenbrück Fahrräder herstellt und inzwischen auch 50-Kubik-Roller aus Fernost im Programm hat. Gideon Heimann

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