Schule : Ein Stück von China

Die Arnim-Schule und ihr neues „Kulturfach“.

Lu Yen Roloff

Lehrerin Hao Shu hält die Arme vor sich, als umgreife sie einen Baumstamm. „Und jetzt zeigt der Wasserkranich seine Flügel“, sagt sie. Fünfzehn Schüler heben einen angewinkelten Arm in die Luft und führen gleichzeitig mit dem anderen Arm eine fließende Bewegung aus: An der Bettina-von-Arnim-Gesamtschule in Reinickendorf steht das chinesische Schattenboxen Tai Chi auf dem Lehrplan.

Seit diesem Schuljahr können 30 Siebtklässler das „Kulturfach“ Chinesisch belegen. Neben vier Wochenstunden Sprachunterricht lernen die Schüler fächerübergreifend die chinesische Kultur kennen: Im Musikunterricht singen sie aktuelle Pophits von chinesischen Boybands, im Sportunterricht wird neben Tai Chi auch Jonglieren und Akrobatik gelehrt, in den Projektstunden beschäftigen sie sich mit Landeskunde oder lernen Chinesisch kochen. Außerdem erarbeiten sie ein chinesisches Theaterstück und können an der benachbarten Jugendkunstschule Atrium bald auch Kalligraphie lernen.

Der sinnliche, sportliche und handwerkliche Zugang zu China soll das Erlernen der komplizierten Schriftzeichen im Sprachunterricht erleichtern. Direktorin Monika Beuerle möchte so auch die Schüler motivieren, „die nicht unbedingt zur Lernelite gehören“. Das bundesweit einmalige Angebot fand großen Zuspruch: „Ursprünglich sollte nur eine Chinesisch-Klasse aufgemacht werden, dann wurden es zwei.

Kulturspezifisches ist auch Teil des Chinesischunterrichts. Zu Beginn jeder Stunde ruft ein Schüler: „Qi li!“. Daraufhin erheben sich alle zum Begrüßungsritual, mit dem Lehrerin Xiaoxue He für ihren Unterricht Respekt gezollt wird. „So läuft das an chinesischen Schulen ab“, sagt die Lehrerin und lächelt, „nur bin ich sonst nicht so streng wie die chinesischen Lehrer.“ He, die zuvor Erwachsene unterrichtete, ist mit den Fortschritten ihrer Schüler zufrieden, die viel begeisterungsfähiger seien als Erwachsene.

Nach einigen Wochen können die Schüler bereits kurze Unterhaltungen führen und Schriftzeichen lesen. Der Schwerpunkt des Unterrichts liegt auf der mündlichen Sprache, daneben sollen die Schüler bis zum Ende der zehnten Klasse etwa 350 Zeichen lernen. Diejenigen, die bis zum Abitur weitermachen werden, sollen dann 800 Zeichen beherrschen. Mit einem solchen Wortschatz kann ein Ausländer in China alle wichtigen Alltagssituationen bewältigen. „Das ist eine gute Vorbereitung auf ein Studium mit Chinabezug“, sagt Schulleiterin Beuerle. „Wir wollen aber auch Fachpraktika in Firmen vermitteln, die mit chinesischen Zulieferern arbeiten.“

Schon im nächsten Schuljahr soll die Klasse die Partnerschule in Huangzhou besuchen. Langfristig plant die Schule, ein halbes Schuljahr in China anzubieten.

Mehr Einblicke heute beim Tag der offenen Tür ab 16.30 Uhr oder beim Chinaabend am 29. Januar von 19 bis 21 Uhr (Senftenberger Ring 49).

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