Schule : Evangelische Grundschule umstritten

Zehlendorfer Projekt wird wohl aufgeschoben

Werner Kurzlechner

Schon Martin Luther wusste: „Wenn du ein Kind siehst, begegnest du Gott auf frischer Tat.“ Dieser Geist beflügelt die Evangelische Schulstiftung. Allein neun evangelische Grundschulen betreibt sie derzeit in Berlin. Nummer Zehn sollte im kommenden Schuljahr in Zehlendorf hinzukommen. Doch nach Lage der Dinge scheint dieses Vorhaben vorerst geplatzt. Finanzielle und baurechtliche Fragen sind ungeklärt. Das Projekt spaltet überdies die Gemeinde Nikolassee, deren Gemeindehaus der Keim der neuen Schule werden soll. Außerdem fürchten einige Eltern, eine zusätzliche Privatschule im Kiez könnte die öffentliche Grundschullandschaft erschüttern.

Der Konflikt innerhalb der Gemeinde ist typisch für Entwicklungen auch jenseits von Zehlendorf. Die Evangelische Landeskirche forciert die Errichtung protestantischer Schulen, um das Fundament christlicher Pädagogik zu stärken. Zumindest ist sie bereit, jene Elterninitiativen zu unterstützen, die die Gründung einer neuen Grundschule anstreben. Gleichzeitig sind viele Gemeinden mit dem Unterhalt ihrer Gemeindehäuser überfordert. Da erscheint es bestechend logisch, diese Gebäude in Schulen umzuwidmen. In Zehlendorf sollte der dort gegründete evangelische Schulverein das Gemeindehaus zum Sommer mieten und eine zweizügige Ganztagesgrundschule mit Hort für mittelfristig rund 300 Schüler einrichten.

Doch dagegen wehrt sich ein Teil der Gemeindemitglieder im Aktionskreis „Rettet das Gemeindehaus“. Sie fürchten um die Räume für ihr Gemeindeleben. Diesen Konflikt werden sie wohl auf protestantische Weise lösen: mit reichlich Diskussionen. Heute tagt am Nikolassee die Gemeindeversammlung, und sie wird noch allerlei Alternativen zu erörtern haben. „Dazu braucht es noch etwas Zeit“, sagt Harald Sommer, Superintendent der Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf. Der anvisierte Termin für die Schuleröffnung sei „möglicherweise nicht haltbar“, lautet seine vorsichtige Einschätzung.

Für diese Vorsicht gibt es durchaus Anlass und einige handfeste Gründe. Wenn der dritte Jahrgang einzieht, wäre das Gemeindehaus als Schulstandort zu klein. Für den nötigen Neubau fehlt neben der Baugenehmigung auch ein Geldgeber, der die Kosten in Höhe von mindestens zwei Millionen Euro vorstreckt. Erst wenn diese Ungewissheiten ausgeräumt sind, steht die Evangelische Schulstiftung als Träger bereit. In der bis zum neuen Schuljahr verbleibenden Zeit sei das kaum noch einzufädeln, sagt Anita Mächler vom Stiftungsvorstand: „Wir verfügen leider nicht über einen Günther Jauch-Gewinn, um den Neubau selbst zu bezahlen.“

Derweil sorgen sich manche Zehlendorfer Eltern, die Privatschule könnte den fünf umliegenden öffentlichen Grundschulen Schüler absaugen. Der Schulentwicklungsplan der Senatsbildungsverwaltung prognostiziert dem Bezirk Zehlendorf-Steglitz bis 2016 knapp acht Prozent weniger Grundschüler. Der Dreilindenschule drohte wegen Schülermangels erst kürzlich das Aus. Bezirksschulstadträtin Anke Otto (Grüne) denkt allerdings nicht, dass die evangelische Schule ausgerechnet der Dreilindenschule Schüler wegnehmen würde: „Da ist die Avus als Riegel dazwischen.“

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