Ferien-Menschen : Berlin zur Belohnung

Die 19-jährige Suada Cekaj aus Italien arbeitet für zwei Wochen in einer Berliner Buchhandlung - weil sie im letzten Schuljahr so gute Noten hatte.

von
Bücher statt Strand. Suada Cekaj aus Italien bei der Arbeit.
Bücher statt Strand. Suada Cekaj aus Italien bei der Arbeit.Foto: Thilo Rückeis

„Ich arbeite hier ja eigentlich gar nicht“, sagt die 19-jährige Suada Cekaj. Sie sei hier, um zu lernen. „Meistens frage ich meinen Chef über Bücher aus und lasse mir Geschichten erzählen.“ Weil die Schülerin aus Jesi, Italien, im letzten Schuljahr so gute Noten bekommen hat, kann sie als eine von 14 Schülern ihres Gymnasiums zwei Wochen in Berlin ein Praktikum absolvieren. Zum Einstieg gab es eine Woche Deutschkurs. Ihre Mitschüler arbeiten in Museen, Postkarten-Shops und Restaurants, sie hat sich einen Buchladen gewünscht und landete in der Buchhandlung Tucholsky in Mitte.

In Berlin genießt Cekaj ihre Unabhängigkeit, drei Wochen ohne Familie. Sie wohnt mit einer Freundin in einer Wohnung in Moabit. Es mache Spaß, selbst das Essen zu organisieren und die Wege mit der S-Bahn und U-Bahn zurückzulegen. Der Tag im Buchladen geht für sie um 10 Uhr mit einer großen Bücherkiste los und dauert fünf Stunden. Sie ordnet die Bücher ein oder dekoriert die Auslage. Sie wusste gar nicht, dass es im Buchhandel so viel Bürokratie gibt, meint die Schülerin und erzählt vom Abgleichen der Internationalen Standardbuchnummer (ISBN) auf Rechnung, Buch und im Computer.

Am Buchladen gefällt ihr, dass so viele Leute kommen und aus ihrem Leben erzählen, auch viele Kinder. Das sei in Italien anders. Letzte Woche habe sich eine Zwölfjährige zwei Stunden lang beschwert, wie viel sie über den Sommer zu tun habe. Cekaj hatte den Eindruck, selbst weniger Hausaufgaben zu haben, obwohl sie älter ist und ihre Ferien länger dauern. In Italien ist von Mitte Juni bis Mitte September schulfrei, dafür gibt es während des Schuljahres weniger Pause.

Cekaj würde später gerne Literatur studieren, aber in Italien bekomme man damit keinen Job. Vielleicht probiert sie es auch mit Medizin. Vor der Entscheidung kommt erstmal ihr letztes Schuljahr mit der großen Abschlussprüfung. In den Sommerferien fährt sie vielleicht noch mit ihrer Mutter eine Woche nach Griechenland. Oder sie erholt sich zu Hause: der Strand an der Adria ist nur 15 Minuten entfernt. Katharina Ludwig

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben