Ganztagsbetreuung vielerorts nicht gesichert : An Grundschulen fehlen mehr als 100 Erzieher

Das Schuljahr hat zwar begonnen, aber ein regulärer Betrieb ist vielerorts noch nicht möglich. Berlinweit fehlen mehr als 100 Lehrer.

Fatina Keilani/Susanne Vieth-Entus

Allein in Neukölln fehlen fast 40 Erzieherinnen und Erzieher an Grundschulen, berlinweit mehr als 100. Das kritisierte der Verband Bildung und Erziehung (VBE). „Die Vorstellungsgespräche laufen, aber es ist sehr schwierig, Personal zu finden“, sagte der VBE-Landesvorsitzende Helge Dietrich.

Auch an weiterführenden Schulen fehlen Lehrer – es ist noch nicht einmal bekannt, wie viele. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) versprach am Donnerstag vor seinen Kollegen aus der SPD, dass eine 100-Prozent-Ausstattung kommen werde. Sein Sprecher Jens Stiller teilte mit, kommende Woche laufe an den Schulen eine Schnellabfrage hinsichtlich des Bedarfs, in der übernächsten Woche würden die Zahlen dann bekannt gegeben.

Der Landeselternausschuss will das schon heute tun, nachdem er eine eigene Umfrage gestartet hatte. An alle Schulen wurde geschrieben, mehr als 100 Datensätze kamen zurück. An diesem Freitag will der Landeselternausschuss bekannt geben, wie viele Lehrer, Erzieher und Sonderpädagogen benötigt werden und in welchen Fächern der Mangel am größten ist.

Die Berliner Eltern scheinen wegen der Zustände allerdings nicht besonders aufgeregt zu sein. Unter der Servicenummer, die von den Fraktionen der SPD und Linken am Mittwochabend zwei Stunden lang geschaltet war, gingen nur „15 oder 16 Anrufe“ ein, berichtete die SPD-Politikerin Renate Harant. „Um den Lehrermangel ging es nur selten, eher schon um zu große Klassen und die andauernden Bauarbeiten.“ Die Anrufer hatten aus den Zeitungen und über Radio, Internet und Videotext von der Hotline erfahren. Am Donnerstagabend war sie erneut geschaltet.

Der Verband der Oberstudiendirektoren forderte abermals, endlich früher mit den Einstellungen zu beginnen, um eine Abwanderung der Junglehrer in andere Bundesländer zu vermeiden. Zöllner hatte in den vergangenen Wochen bereits angekündigt, die Einstellungen künftig vorzuziehen. Bislang verhindert eine mehrmonatige Abstimmung mit der Finanzverwaltung, dass die Stellenausschreibungen im Frühjahr vorgenommen werden können. Ob Zöllner sich mit dem Finanzsenator auf ein neues Verfahren geeinigt hat, war noch nicht zu erfahren.

Derweil gibt es weiter Ärger um die Sekundarschule in der Kreuzberger Graefestraße. Bildungsstadträtin Monika Herrmann (Grüne) sieht Versäumnisse beim Bauamt, aber auch beim Schulamt und hat einen Bericht gefordert. „Ich möchte mal wissen, wie es möglich sein konnte, dass das Gebäude für den Unterricht freigegeben wird“, sagte sie. Baustadträtin Jutta Kalepky (parteilos) war nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Der Architekt sagte, nach seiner Meinung wäre eine teilweise Nutzung des Gebäudes durchaus schon möglich. Er beklagte, alle Beteiligten hätten mangelhaft miteinander kommuniziert.

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