Gesperrte Schule in Marzahn-Hellersdorf : Marode Schule: Chaos in Kaulsdorf

Seit Donnerstag ist eine Kaulsdorfer Grundschule gesperrt. Für die Schüler geht es zehn Kilometer entfernt weiter. Den Umzug mussten die Eltern größtenteils selbst organisieren.

von und Nándor Hulverscheidt
Nein, die Schuluhr geht nicht falsch: Die Kinder der maroden Achard-Grundschule haben einfach eine weite Busfahrt bis zum Ausweichstandort hinter sich.
Nein, die Schuluhr geht nicht falsch: Die Kinder der maroden Achard-Grundschule haben einfach eine weite Busfahrt bis zum...Foto: Nándor Hulverscheidt

Es sieht aus wie der Abschied vor einer Klassenfahrt: Die Kinder sitzen im Reisebus und unten winken die Mütter. Doch der Anlass dieser Fahrt ist weniger erfreulich. Am 2. September hatten die Eltern der Franz-Carl-Achard-Grundschule in Kaulsdorf erfahren, dass die Unterrichtsräume ihrer Kinder bis auf Weiteres gesperrt würden. Grund dafür ist der Befall des Gebäudes durch Hausschwamm und die daraus resultierende Einsturzgefahr (wir berichteten).

Von diesem Montag an müssen die Grundschüler deshalb jeden Tag mit Bussen zur Marcana-Schule gefahren werden. „Von jetzt auf gleich hat man uns diese Lösung vor die Nase gesetzt“, sagt eine Mutter. „Dabei hat sich das Problem schon lange angekündigt.“

Die Erstklässler bleiben in Kaulsdorf

Das frisch sanierte Gebäude der Marcana-Schule liegt im Norden des Bezirks Marzahn-Hellersdorf. Mehr als 10 Kilometer sind es von der Achard-Grundschule bis dorthin. Für die Schulkinder aus Kaulsdorf bedeutet das: Erst bringen ihre Eltern sie zum nun gesperrten Standort, dann geht es mit dem Bus weiter – je nach Verkehrslage eine Fahrt von bis zu 30 Minuten. Nur die Erstklässler bleiben in Kaulsdorf, im separaten Hortgebäude, und damit im Schulalltag getrennt von den älteren Kindern.

Bei der ersten Fahrt am Montagmorgen kam der letzte Bus um Viertel nach acht an der Marcana-Schule an. Weil klassenweises Fahren bei 340 Schülern nicht zu organisieren ist, beginnt der Unterricht jetzt gleitend – soweit er bisher überhaupt stattfinden kann.

Denn obwohl das Ausweichgebäude in den vergangenen Jahren für knapp 900 000 Euro umfangreich saniert wurde und eigentlich von der Marcana-Schule in den nächsten Wochen bezogen werden sollte, ist die Ausstattung der Räume auf einem provisorischen Minimum. „Wir haben in den Klassenzimmern keine Tafeln, keine Flipcharts, und dürfen auch nichts selbst aufhängen“, ärgert sich Hannelore Kleemann, Konrektorin der Achard-Grundschule. „Es ist mir unbegreiflich, wie ich ohne eigenen Telefonanschluss das Chaos organisieren soll.“ Für einen Anruf müsse sie ins Nachbarzimmer rennen, und auch den aktuellen Elternbrief zum Umzug könne sie mangels Computer nicht verschicken. Bezirksamtssprecher Frank Petersen, am Montag ebenfalls vor Ort an der Marcana-Schule, kann die fehlende Ausstattung auf Anhieb auch nicht erklären.

Die Arbeiten in der frisch sanierten Marcana-Grundschule sind noch lange nicht abgeschlossen.
Die Arbeiten in der frisch sanierten Marcana-Grundschule sind noch lange nicht abgeschlossen.Foto: Nándor Hulverscheidt

Nach Angaben von Elternvertreter Roman Volk sind bisher nur acht Klassenzimmer fertig, obwohl das Schulamt 13 versprochen habe. „Wir brauchen allerdings 18“, sagt er.

Verärgerung allerorten

Bei der Marcana-Schule selbst will die Schulleitung keine Auskünfte zur aktuellen Lage geben und verweist gleich auf den Bezirkssprecher Petersen. Mangelhafte Planung und Transparenz werfen die Eltern dem Bezirksamt auch beim Umzug vor. 600 Kartons wurden bis zum Wochenende mit Akten, Büchern und Lernmaterial gefüllt und zur Marcana-Schule gebracht. Allerdings nicht von Mitarbeitern der Bezirks oder einer Umzugsfirma, sondern von den Lehrern und vor allem den Eltern der Achard-Grundschule selbst. Über 30 Eltern packten am Sonntag mit an, fuhren mit ihren Autos zwischen den Standorten hin und her und organisierten kurzerhand einige Kleinlaster. „Es kann eigentlich nicht sein, dass der Umzug auf die Eltern abgewälzt wird“, sagt Volk.

In Alarmbereitschaft waren die Mütter und Väter schon, seit die Sporthalle im Mai 2013 geschlossen worden war, damals ebenfalls wegen Hausschwamms. Man habe es kommen sehen, sagen die Eltern. Seit der Turnhallensperrung sind mehrere Gutachten zum baulichen Zustand des Schulgebäudes in Auftrag gegeben worden. Allerdings sei man aufgrund sich widersprechender Expertenmeinungen zuerst von einem langfristig planbaren Sanierungsbedarf ausgegangen, heißt es vom Bezirksamt. Noch bis zum 28. August dieses Jahres erwartete man, dass für den Rest des Jahres ein normaler Schulbetrieb möglich sei, sagt Bezirksamtssprecher Petersen. Doch dann empfahl ein Gutachter die Sperrung von drei Räumen im zweiten Obergeschoss, was auch umgesetzt wurde. Kurz darauf allerdings verlangte die Bauaufsicht die Sperrung eines Treppenhauses. Da damit auch ein Fluchtweg entfiel, wäre der Schulbetrieb nicht mehr sicher.

Wie es am Kaulsdorfer Standort weitergeht, entscheidet sich erst nach einem neuen Gutachten. Teuer und langwierig wird es auf jeden Fall. Schon vor der Sperrung wurde der Sanierungsbedarf auf neun Millionen Euro geschätzt. „Ich wäre für Abriss und Neubau“, sagt Elternsprecher Volk.

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