Gymnasien : Probeunterricht, Empfehlung oder Numerus Clausus

Der Zugang zum Gymnasium ist erneut in der Debatte. Der Landeselternausschuss lehnt neue Hürden ab.

Susanne Vieth-Entus

Auf einige Zustimmung stößt das Bestreben der SPD-Bildungspolitiker, das geplante Probejahr an Gymnasien infrage zu stellen. „Ich begrüße das sehr“, sagte am Montag der neu gewählte Vorsitzende der Vereinigung Berliner Schulleiter in der Bildungsgewerkschaft GEW, Paul Schuknecht. Die Bündnisgrünen mit ihrem Bildungsfachmann Özcan Mutlu hatten sich schon zuvor gegen das Probejahr starkgemacht. Sascha Steuer von der CDU kritisierte gestern zwar das „Durcheinander“ bei der rot-roten Meinungsbildung, votiert allerdings ebenfalls dafür, den Zugang zum Gymnasium über ein „strukturiertes Aufnahmeverfahren aus Probeunterricht, Test und Schulleitergespräch“ zu regeln.

„Das Probejahr soll entfallen“, fordert Steuer. Mieke Senftleben von der FDP will das Probejahr nur für „unklare Fälle“. Ansonsten votiert auch sie für Zugangsbeschränkungen, bei denen das Niveau der Grundschulnoten „eine Rolle“ spielen müsse. Der Elternwille müsse „im Rahmen eines hochwertigen Beratungsgespräches ergründet und teilweise auch erst entwickelt werden“.

Die stärkste Kritik kam vom Landeselternausschuss. Der Vorsitzende André Schindler befürchtet eine „Elitenbildung“ als Folge schärferer Zugangskriterien sowie ein Gymnasialsterben. Allerdings ist Rot-Rot weit davon entfernt, „scharfe“ Zugangskriterien zu fordern. Bislang ist nicht klar, welcher Weg beschritten werden soll, um das Probejahr zu verhindern. Neben einer stärkeren Gewichtung der Grundschulempfehlung stehen Beratungsgespräche, ein Numerus Clausus sowie ein mehrtägiger Probeunterricht zur Debatte. Derartige Hürden seien besser, als den Kindern ein ganzes Probejahr zuzumuten, sagt Paul Schuknecht, Leiter der Charlottenburger Friedensburg-Gesamtschule und neuer Vorsitzender der Berliner Schulleitervereinigung.

Schuknechts Vorgänger in diesem Amt, Wolfgang Harnischfeger, hatte von Anfang an statt eines Probejahres strengere Aufnahmekriterien gefordert. Das bedeute aber keine „Elitenbildung“, wie Schindler unterstelle, betont Harnischfeger. Für ihn ist gut vorstellbar, dass auch eine „Vier“ in Mathematik einem Besuch des Gymnasiums nicht entgegensteht, wenn ein Schüler gut zum Profil des Gymnasiums passt – etwa, weil er gut Klavier spielen könne und auf eine musikbetonte Schule wolle.

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) zeigt sich offen für eine erneute Diskussion, auch wenn die Schulstrukturreform noch im November beschlossen werden soll. Es seien „verschiedene Möglichkeiten denkbar“, darunter auch die Einführung eines Probeunterrichts. Bei jedem Vorschlag zu den Zugangskriterien müssten Vor- und Nachteile, die allen Varianten innewohnten, abgeschätzt werden. Dies gelte insbesondere wegen der Bedeutung des Elternwillens und der fairen Chancen für alle Kinder. Im Übrigen sei er an einer breiten Zustimmung zur Schulstrukturreform „auch über die Grenzen der Koalitionsparteien hinaus interessiert“, betonte Zöllner mit Blick auf die Opposition.

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