Horst-Wessel-Lied im Unterricht : Köpenicker Schule schreibt an Eltern

Der Schulleiter des Köpenicker Gymnasiums, an dem eine Lehrerin das Horst-Wessel-Lied behandelt hat und deshalb angezeigt wurde, wendet sich an Eltern und Schüler. Die Lehrerin beruft sich auf Brecht.

Sylvia Vogt
Leere Tafel in einem Klassenzimmer.
Leere Tafel in einem Klassenzimmer.Foto: Kay-Uwe Heinrich

Nach der Aufregung um den Umgang mit dem verbotenen „Horst-Wessel-Lied“ in einer Köpenicker Schule hat sich jetzt der Schulleiter des Emmy-Noether-Gymnasiums mit einem Brief an Eltern und Schüler gewandt. „Richtig ist, dass das ’Horst-Wessel-Lied’ neben anderem Liedgut im Kontext des Themas ’Lieder im Dienste politischer Propaganda’ behandelt wurde“, schreibt Schulleiter Jürgen Vinzelberg. „ Ziel war es, unter Berücksichtigung des Rahmenlehrplans inhaltliche und sprachliche Manipulationsstrategien des Nationalsozialismus aufzuzeigen.“

Die Musiklehrerin habe geplant, in einer Klausur das Lied „Kälbermarsch“ von Bertolt Brecht und Hans Eisler analysieren und beurteilen zu lassen. Die Klasse habe sich „mit musikwissenschaftlichen Analysemethoden“ mit dem Original auseinander gesetzt. Der „Kälbermarsch“ ist eine Parodie auf das Horst-Wessel-Lied.

Wie berichtet, liegt gegen die Lehrerin eine Anzeige wegen „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ vor. Die Anzeige kam offenbar von einer schulfremden Person, die sich auf eine anonyme Quelle an der Schule bezog.

Schulleiter Vinzelberg sagte dem Tagesspiegel, er habe inzwischen mit den Elftklässlern gesprochen, die im Unterricht dabei waren. Sie hätten bestätigt, dass die Lehrerin ihnen klar gemacht hätte, dass das Lied verboten sei und sie es nur zu Studienzwecken analysierten. Seine Sorge gelte jetzt der Kollegin und auch der Schule, die sich im Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ engagiere und Flüchtlingskinder in einer Willkommensklasse unterrichte.

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