Internet-Wahl : Berlins bester Lehrer

Schüler stimmten im Internet ab

Jan Oberländer

Der Mathematik- und Physiklehrer Thomas Uhlemann vom Friedrichshainer Heinrich-Hertz-Gymnasium ist der beste Lehrer Berlins. Zu diesem Ergebnis kamen die Benutzer der Schüler-Website www.spickmich.de. Pünktlich zu den Halbjahreszeugnissen wurden die besten Lehrer in den einzelnen Bundesländern gekürt. Der 53-jährige Uhlemann wurde mit einer 1,4 bewertet. Auf Platz zwei und drei kamen Jörg Rapp vom Romain-Rolland-Gymnasium in Reinickendorf (1,5) und Manfred Heyn vom Zehlendorfer Dreilinden-Gymnasium (1,6). Die Durchschnittsnote liegt laut Spickmich bei 2,7. Zwei Drittel aller Lehrer haben eine Zwei vor dem Komma.

Bei Spickmich sind nach Betreiberangaben über eine Million Schüler registriert. Auf der Seite können sie unter anderem ihre Schulen und Lehrer bewerten. Eine Note in Kategorien wie „faire Noten“, „motiviert“ und „gut vorbereitet“ ist bis zu zwölf Monaten gültig, kann aber jederzeit aktualisiert werden, wie Spickmich-Sprecher Tino Keller erklärt. In die aktuelle Berechnung wurden 380 000 der insgesamt 437 000 erfassten Lehrer einbezogen. „Fast 90 Prozent der User haben abgestimmt,“ erklärt Keller. Der Großteil der Noten sei deutlich jünger als ein Jahr.

Der 53-jährige Uhlemann misst seiner guten Bewertung allerdings keine übermäßige Bedeutung bei. „Da haben 37 Schüler abgestimmt, das ist mit Vorsicht zu genießen.“ Schließlich habe seine Schule insgesamt 550 Schüler. Trotzdem – warum geben seine Schüler ihm Bestnoten? Was muss ein sehr guter Lehrer leisten? „Zum einen muss man fachlich top sein. Präzise vorbereitet sein, den Stoff korrekt rüberbringen.“ Zum anderen weiß der Vertrauenslehrer Uhlemann: „Die Schüler haben ihre eigenen Sorgen und nicht immer nur Naturwissenschaften im Kopf.“ Da müsse man auch mal vom Unterrichtsplan abweichen.

Ein öffentliches Bewertungsforum wie Spickmich sieht Uhlemann „gelassen“ – „ich und meine Schule kommen ja gut weg.“ Andere haben da Schwierigkeiten. In mehreren Fällen gingen Pädagogen bereits gerichtlich gegen Spickmich vor, weil sie sich verunglimpft fühlten. Die Richter des Landgerichts Duisburg und des Kölner Oberlandesgerichts sahen in Wertungen aber zulässige Meinungsäußerungen. Vor zwei Wochen hat der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Spickmich mit dem „Nassen Schwamm“ ausgezeichnet. Der Negativpreis soll das „Mobbing“ und die „mediale Hinrichtung“ von Lehrern kritisieren.

Brigitte Wilhelm, Vorsitzende des Landeslehrerausschusses, sieht Spickmich dagegen positiv. Lehrer stellten Zeugnisse aus – „warum sollte es nicht auch umgekehrt sein?“ Ein guter Lehrer müsse Feedback zulassen können. „Wer sich mit seinen Schülern austauscht, dürfte da keine Probleme haben.“ Landesschülersprecherin Laura Fritsche versteht zwar die Kritik des VBE. Es sei „schwierig, dass Lehrer ohne ihr Einverständnis bewertet werden.“ Dennoch sei Spickmich „notwendig“. „Lehrer müssen evaluiert werden, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern.“ Spickmich sei momentan die einzige Plattform, auf der dies möglich sei. Jan Oberländer

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