Jugend forscht : Raus aus der Schule, rein ins Labor

An der Fakultät Elektrotechnik und Informatik der TU können jetzt komplette Schulklassen mit Wissenschaftlern arbeiten.

Katja Gartz
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Foto: Kai-Uwe HeinrichKai-Uwe Heinrich tsp

„Das ist bombig, wir können viel selber machen und haben nicht so viel Theorie wie in der Schule“, sagt Robert, der sich im Schülerlabor der Technischen Universität begeistert mit Elektrotechnik beschäftigt. Dabei gehört Physik in der Schule nicht gerade zu seinen Lieblingsfächern. Der Zwölfjährige ist einer von 16 Achtklässlern der Sophie-Scholl-Gesamtschule, die zum ersten Mal ein Schülerlabor besuchen. Für sie geht es in den nächsten sechs Stunden um „Farbwahl mit Leuchtdioden“, das heißt um das Mischen von Farben mittels Licht.

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24.08.2009 18:45Praxis steht im Mittelpunkt des neuen Projektlabors der Technischen Universität. -



Zunächst erhalten sie eine Einführung in das Thema. Anschließend lernen die Schüler verschiedene Bauteile kennen – Widerstände, Spannungsteiler, Kondensator, Transistor und Leuchtdioden. Nachdem alle Bauteile unter die Lupe genommen wurden, beginnt der praktische Teil: der Aufbau einer Schaltung, mit der beispielsweise gelbes und Magenta-farbiges Licht produziert werden kann. Am Schluss kann jeder Schüler einen Lichtmischer mit Leuchtdioden nach Hause mitnehmen. Farblich wechselnde Zimmerbeleuchtung ist damit kein Problem mehr.

Das Schülerlabor der Fakultät Elektrotechnik und Informatik der TU gehört seit Mai zum Netzwerk „Gemeinsam für naturwissenschaftlichen Unterricht“ Berlin-Brandenburg (GenaU) und bietet seitdem Projektangebote für ganze Klassen. Bislang gab es diese nur für kleinere Schülergruppen. Ziel des Netzwerks ist es, mit außerschulischen Lernorten Brücken von der Forschung in die Schule zu schlagen. „Wir wollen junge Menschen für Natur- und Ingenieurwissenschaften begeistern und neue Impulse für den Unterricht geben“, sagt Malte Detlefsen, der Koordinator des Netzwerks GenaU. Ob die Schüler von den Angeboten profitieren können, liegt am Engagement der Lehrer. Geleitet wird das Schülerlabor an der TU von Stefan Seifert, er ist Diplom-Ingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter. Verstärkung bekommt er von drei Studenten.

Der 30-jährige Seifert, der derzeit an seiner Promotion arbeitet, ist begeisterter Elektrotechniker und kaum zu stoppen, wenn er etwas erklären kann. „Die Mitarbeiter hier sind so begeistert, die sind mit Liebe dabei“, sagt Schülerin Lily verblüfft. Was ein Widerstand ist, sei ihr bislang nie so richtig klar gewesen, heute verstehe sie es besser. „Eigentlich mag ich Naturwissenschaften nicht, aber hier macht es Spaß“, berichtet die 14-Jährige. Rahel gefällt nicht nur, dass vier nette, kompetente Mitarbeiter für die Schüler da sind, sondern auch, dass es keine Noten und vor allem modernes Material gibt. Da könne die Schule einfach nicht mithalten.

Die Physik- und Mathematiklehrerin ist sich dessen bewusst. Für sie ist das ein Grund mehr, mit ihren Schülern das Angebot der TU zu nutzen. „Die Schüler lernen hier nicht nur etwas über Physik, sondern auch die Universität und verschiedene Studiengänge kennen“, sagt Gabriele Koenigstadt. Versuche gemeinsam mit Spezialisten zu machen, sei ungemein motivierend. Auch sei der Aufbau der aufwendigen Schaltung in 90 Minuten Unterricht nicht machbar. Malte Detlefsen sieht einen großen Bedarf für weitere Schülerlabore. „Obwohl die Region Berlin-Brandenburg ein herausragendes Angebot hat, kann die Nachfrage der Schulen kaum erfüllt werden“, sagt der Netzwerkkoordinator. In Berlin könnten es sechsmal so viele geben, allerdings sei bei der Förderung auch der Senat gefragt.

Ingenieur Stefan Seifert möchte die Schüler für ein Studium begeistern und vermitteln, wie vielseitig die Ingenieurwissenschaften sind. „Viele schrecken vor der Technik zurück, dabei kommt man mit wenig Aufwand zu Ergebnissen und hat schnell einen Aha-Effekt“, sagt der große sportliche Wissenschaftler im roten T-Shirt, der auch eine Elektronik-Arbeitsgemeinschaft an der Sophie-Scholl-Schule leitet. Diese beschäftigt sich mit der Steuerung von Robotern. Zur Nachwuchsförderung wünscht sich der Ingenieur mehr Kooperationen zwischen Schulen, Forschungseinrichtungen und der Industrie.

Und wenn Schüler bei ihm im Labor überhaupt erst herausfinden, dass Naturwissenschaften nicht das Richtige für sie sind. „Macht nichts“, findet Seifert. „Dann gibt es wenigstens weniger Studienabbrecher.“Katja Gartz 

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