Krisentreffen : Umgang mit Mobbing soll auf den Lehrplan

Als Reaktion auf das Cybermobbing auf der Internetseite "Isharegossip" fordert der Berliner Datenschutzbeauftragte Dix die Aufnahme des Themas Medienkompetenz in die Lehrpläne. Auch Eltern sollen mehr über Hetze im Netz lernen.

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Beleidigung, Bedrohung, eine Schlägerei und mehrere, angedrohte Amokläufe – um den Umgang mit der Mobbingplattform „Isharegossip“ und das Thema Medienkompetenz an Schulen zu beraten, lud Bildungssenator Jürgen Zöllner am Mittwoch Schulpsychologen, Polizeivertreter, Schulleiter und Schülersprecher zu einer Art Krisensitzung ein. Michael Retzlaff, Referatsleiter für Medienbildung am Landesinstitut für Schule und Medien (Lisum) Berlin-Brandenburg, forderte bei dem Treffen, das Thema Medienbildung verpflichtend in die Aus-, Fort und Weiterbildung der Lehrer aufzunehmen. „Eine erste Maßnahme wäre es, ab dem nächsten Schuljahr Medienberater in das System der regionalen Fortbildung von Berlin einzugliedern.“ Ähnliche Berater gibt es auch für Fächer wie Deutsch oder Mathe.

In Brandenburg sind die Medienberater schon lange aktiv. Sie verfügen über entsprechende Materialien und Kontakte und unterstützen Schulen beispielsweise dabei, einen Projekttag zum Thema Cybermobbing umzusetzen. Doch in Berlin sind die Lehrkräfte laut dem „eEducation Masterplan“ auf sich allein gestellt. Der Plan definiert nur, welche Kompetenzen die Schüler in welchen Klassenstufen erwerben sollen. Hinzu kommt, dass es für Lehrer, die sich in Medienkompetenz weiterbilden lassen möchten, im regionalen Fortbildungsprogramm keine Angebote gibt. Ein weiterer Punkt betrifft die Tatsache, dass in Berlin zwar für Schulen verschiedene Projekte im Bereich der Medienbildung angeboten werden, viele Schulen davon aber nichts wissen. „Ein Grund dafür ist die dringend nötige, jedoch fehlende Vernetzung der verschiedenen Akteure“, sagte Retzlaff.

Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix hält das Aufklärungsangebot des Senats für „nicht ausreichend“. Dix hatte in der Diskussion um die Mobbing-Seite „Isharegossip“ die Öffentlichkeit erstaunt, weil er zugegeben hatte, die Seite nicht zu kennen. Am Mittwoch sagte er dazu, dass es ihm nicht möglich sei, alle kriminellen Inhalte des Netzes zu kennen. Generell plädiere er dafür, dass sich Kinder bereits im Kita-Alter mit dem Thema Internet befassen sollten.

Auf Antrag der CDU beschäftigt sich heute auch die „Aktuelle Stunde“ im Abgeordnetenhaus mit dem Thema. Der bildungspolitische Sprecher Sascha Steuer (CDU) kritisierte eine fehlende Evaluierung des „eEducation Masterplans“. „Er darf nicht nur dastehen, er muss auch umgesetzt werden. So wurde bisher nicht überprüft, wie viele Lehrer eine Fortbildung besucht haben oder ob und wie sie entsprechende Themen im Unterricht umgesetzt haben.“

In der Krisensitzung mit Zöllner plädierte Lisum-Referatsleiter Retzlaff dafür, die Schüler mehr in die Verantwortung zu nehmen. Zum Beispiel sollen sie als „Medienscouts“ ausgebildet werden, wie es in Rheinland Pfalz flächendeckend gemacht würde. „Sie sind näher dran und beraten sowohl Lehrer als auch Schüler.“

Mit dem Programm „Mobbingfreie Schule“ sollen die Berliner Schulen ab dem nächsten Schuljahr unterstützt werden, wie der Senat mitteilte. Im Rahmen des gemeinsamen Projektes mit der Techniker Krankenkasse sollen Lehrer fortgebildet werden. Jede Schule, die eine Projektwoche abhält, erhalte einen von 1500 „Mobbingkoffern“ mit Lehrmaterialien. Laut Senat sei das Projekt nach der Pilotphase an zwölf Hamburger Schulen evaluiert worden und habe vor allem im Bezug auf die Faktoren „Aggression“ und „Diskriminierung“ positive Effekte gezeigt.

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