Kurz vor ACHT : Vergleichsarbeiten? Jetzt erst recht

Wie viele Brennpunktschulen gibt es in der Stadt – 50, 80 oder sogar 100? Die Antwort hängt wohl von der Definition ab. In jedem Fall unterrichten ein paar tausend Lehrer unter erschwerten Bedingungen, und darum ist es auch nicht so überraschend, dass mehr als 1000 von ihnen unterschrieben, als es vor einer Woche darum ging, auf die Nachteile der Vergleichsarbeiten für Drittklässler an sozialen Brennpunkten hinzuweisen.

Inzwischen sieht es nicht mehr so aus, dass es nächste Woche zu einem Boykott der Arbeiten kommt, und das ist auch besser so. Denn die Lehrer haben mit ihrem offenen Brief auch so schon einiges erreicht. So hat die Öffentlichkeit wieder einmal eine Vorstellung davon bekommen, welche Bildungs- und Sprachabgründe sich in den sozialen Brennpunkten auftun und wird mehr darauf achten, was der Senat dagegen unternimmt. Deshalb ist es jetzt erst recht von Interesse, dass die Arbeiten mitgeschrieben und die Ergebnisse für jede Region veröffentlicht werden.

Damit aber deutlich wird, wie stark die Ergebnisse von der Hartz-IV- und Migrantenquote abhängen, sollten Lehrer und Eltern erfahren, wie Schulen mit einer ähnlichen sozialen Zusammensetzung abgeschnitten haben. Damit sie sehen, was in bestimmten städtischen Umfeldern trotz allem erreichbar ist – und was nicht.

Dies ist aber nur die eine Ebene, die Praxisebene. Die andere Ebene, die der Politik, muss ebenfalls mit den Untiefen der Vera-Befunde vertraut gemacht werden. Es ist schon mal gut, dass Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) den Sprecher der Brennpunkt-Initiative zum Gespräch eingeladen hat. Das reicht aber nicht. Es wird höchste Zeit, dass Zöllner und sein Finanzsenator mal wieder eine Brennpunktschule von innen sehen. Inklusive Unterricht. sve

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